Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Monat: September 2009 (Seite 2 von 2)

Abgesang

Liebster, Du lässt mich erröten,
mir schmeckt dein Kuss nach Lüsternheit.
Ist uns das wirklich schon vonnöten?
Lass mir doch bitte etwas Zeit.

Fingerspiele an den Hüften,
welch Anschlag auf die Sittlichkeit.
Du willst schon mein Geheimnis lüften?
Dazu bin ich wohl nicht bereit.

Zarte Küsse auf den Hügeln,
die Hand an meiner Weiblichkeit –
wie kann ich dein Verlangen zügeln?
Mein Leib ist noch nicht eingeweiht.

Zwischen meinen weißen Schenkeln
keimt bittersüße Feuchtigkeit.
Erhitzt spür ich mich zitternd kränkeln,
doch Du bist nah, ein Arzt ist weit.

Heile mich von meinen Qualen.
und schenk mir sicheres Geleit.
Ich will mit Lust und Eifer zahlen,
für Rücksicht und Geschicklichkeit.

Pfeifen

Meistens möchte eine Pfeife
lieber erste Geige sein,
schüchtert vorlaut mit Gekeife
mächtige Posaunen ein.

Lehrt die Pfeife Flötenklänge,
Blast ihr gründlich einen Marsch,
kündigt ihr die Lobgesänge,
denn ihr Pfiff ist für den A….

Prämissen

(m)

Deine Brust ist Brust der Brüste,
deine Augen sind Idee,
Du bist meine Lust der Lüste,
deine Haut ist Haut per se.

Deine Lippen sind nicht Lippen
unter Lippen, sind Prinzip,
auch dein Herzherz in den Rippen
ist gewiss kein Partizip.

Schüre meine Triebestriebe,
zeige mir dein Lichtgesicht,
Schenk mir deine Liebeliebe,
und Du wirst geehelicht.

(w)

Sag, was soll ich mit Gedichten,
Worte sind nur schöner Schein,
Sex scheint von den Ehepflichten,
dir die wichtigste zu sein.

Ach, ich weiß grad nichts zu sagen,
was nutzt mir der feinste Reim,
willst Du nicht den Einkauf tragen,
hoch ins Wolkenkuckucksheim.

Scheinbar sind dir wohl die Lenden
Alpha, wie mir Omega,
hilf im Haushalt mit den Händen,
dann sag ich womöglich ja.

Dichters Gardinenpredigt

Ich sollte schweigen, jedoch möchte ich betonen,
bei aller Ehrfurcht vor der eitlen Künstlerschar,
dass sich nicht alle scheinbar schönen Reime lohnen,
wenn dir dein Rhythmus einen schiefen Klang gebar.

Nun kannst Du meckern, fluchen, lauthals lamentieren,
die Kunst sei frei, und jeder Künstler schöpfernah,
im Dreieck springen, flehen, hadern, explodieren,
weil ich dein Werk aus guten Gründen kritisch sah.

Glaubst Du, der Schöpfer hätte diese eine Erde,
mal eben hingerotzt, so wie Du dein Gedicht –
auf das sie provisorisch halbwegs fertig werde,

im Funzelschein, statt hell im warmen Sonnenlicht –
und hätt auf eine dies bezügliche Beschwerde,
geheult, so schlecht sei doch das Kunstwerk nicht?

Ich glaube kaum, er wäre so extrem vermessen,
sich selbst zu loben, wenn sein Werk ein Fehlschlag wär,
vermutlich ist er nicht auf falsches Lob versessen,
benähm sich nicht so fachlich stur und voll konträr.

Jetzt gib dir einen Ruck, hör endlich auf zu schmollen,
dass Kunst von Können kommt, ist wirklich keine Mär,
nicht oft liegt’s am Talent, weit häufiger am Wollen,
wohl deshalb quält der Durchschnitt höchst inflationär.

Doch ist es mit der Welt, wie wohl auch den Gedichten,
rein vom Prinzip sind Erde und auch Lyrik toll,
nicht Gott, der Mensch, vermag das Schöne zu vernichten,

drum schweig und schau nicht weiter derart vorwurfsvoll.
Hör endlich auf dich nach der Masse auszurichten,
wenn dein Gedicht ein Wunder und kein Mist sein soll.

Korallen

Ich stahl in deinem Tiefseegarten,
die schönste der Korallen,
sie schien mich sehnlich zu erwarten
und lockte mich kristallen.

Ich pflückte sie im Meeresleuchten,
entrang sie wilden Quallen
die ihr zum Schutz im Wasser fleuchten,
mich giftig zu umwallen.

Ich führte sie zu deinem Munde,
beim Sang der Nachtigallen,
kaum nach der ersten Schrecksekunde
sah ich dein Wohlgefallen.

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