Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Monat: März 2010 (Seite 3 von 3)

Durch dich

Durch dich seh ich die Welt mit tausend Augen,
seh jeden Schimmer in der schwarzen Nacht,
aus deinen Blicken kann ich Hoffnung saugen,
Du schaust auf mich, gibst sorgsam auf mich acht.

Durch dich kann ich durch jene Wände hören,
die ich mir bau zum Schutz und als Versteck,
Du bist der Weg aus meinen Nadelöhren,
in dir bekommt mein Dasein einen Zweck.

Durch dich wird meine Adamshaut empfänglich
für jede noch so leise Zärtlichkeit,
ich bin durch dich nicht weiter unzugänglich,
Du machst mir Mut und schenkst mir Sicherheit.

Durch dich ist da ein Duft im Trivialen,
ein Hauch von Übermut liegt in der Luft,
die Sonne hat mehr Licht in ihren Strahlen,
Du bist die Brücke über meine Kluft.

Durch dich kann ich aus deinen Poren lesen,
verspüre Heimatglück an deiner Haut,
mein Herz blüht auf, ich kann vom Schmerz genesen,
die Welt wird warm durch dich und urvertraut.

Durch dich liegt Einheit in den Einzelsinnen,
Fragmente fügen sich, mein Sein wird heil,
die Zeit will nicht mehr ohne Wert verrinnen,
Durch dich wird mir ein neues Glück zuteil.

Wind und Wetter

Die Welt erstarrt zu Salz im feuchten Dunst der Schwüle,
liegt wie gelähmt im gleißend hellen Sonnenlicht.
Lethargisch sehnt sie sich nach einem Hauch von Kühle,
der lindernd durch den Film des Hitzeflimmerns bricht.

Mein Leib verbrennt in dieser weißen Feuermühle
zu Asche. Schweiß verätzt wie Säure mein Gesicht.
Bei Nacht, wenn ich mich einsam durch die Kissen wühle,
spür ich auf nassen Laken meine Sehnsucht nicht.

Die Tür geht auf, Du stehst gemalt im Bilderrahmen.
Noch halb im trägen Dämmerschlaf der zähen Nacht,
bestreicht mich frische Luft, die langsam meine lahmen,

verdrehten Glieder weckt, mich plötzlich lüstern macht.
Du küsst mich auf den Bauch, sagst flüsternd meinen Namen,
versprichst: „Ich hab dir Wind und Wetter mitgebracht…“

Audienz

Ich beiß dir rote Flecken
ins Elfenbein der Haut,
wie hat mein sanftes Lecken
sie morgengleich betaut.

Ich zünde Freudenfeuer,
Du brennst, ich schmecke heiß
das Salz, und ungeheuer
die Lust in deinem Schweiß.

Gelenkt vom leisen Wimmern,
dem Griff in meinem Haar,
bestaune ich das Schimmern
in deinem Alcazar.

Ich klopfe an die Pforte,
Du seufzt und lädst mich ein,
zeigst mir ganz ohne Worte,
ich soll willkommen sein.

Beredt verlangt mein Schweigen
fast frech nach Audienz,
bei dir in einem Reigen
von Schwingung und Frequenz.

Bald spüre ich im Zittern,
das samten dich durchwebt
die Welt ins Nichts zersplittern,
als jäh dein Schloss erbebt.

Der süßen Pflicht enthoben,
sagt mir dein weicher Blick:
„Komm her, ich bin hier oben,
mein Mund will dich zurück.“

Blindensprache

Ich lese deine Blindensprache wie mit Händen,
die leise flatternd über deine Seiten streichen.
Du hebst dich mir entgegen, und die Fragezeichen
aus all den andern in mich eingeprägten Bänden

entpuppen sich, verlieren endlich ihr Bewenden.
Die Zweifelgeister, die sich in mein Lieben schleichen,
verwehen unter Fingern, die mit deinem weichen
Papier sich paaren zu vergessenen Legenden.

Ich taste Ängste, Sorge, Mut und dein Versprechen,
stets Buch zu bleiben, lese zwischen deinen Zeilen
dein unverstelltes Ich. Ganz ohne Radebrechen

vermag es sich mir klar und deutlich mitzuteilen.
Dein Wort erstarkt mit meinen kleinen Leseschwächen
kann mich geduldig von dem Fluch der Blindheit heilen.

was man denkt…

Ist es nicht ungerecht,
letztlich sterben zu müssen,
als sei uns das Leben geliehen,
statt vom gnädigen Himmel geschenkt?

Ist es ausschließlich schlecht,
um das Ende zu wissen,
sich immer darauf zu beziehen,
gleich wohin man die Schritte auch lenkt?

Sind dem Tod wir ein Knecht,
aus dem Dasein gerissen,
geprellt um den Lohn unsrer Mühen,
wenn das Blatt seiner Sense uns henkt?

Sind die Träume nur echt,
unser Leben ein Kissen,
mit Nadeln gespickt, deren Glühen
uns quält, bis der Vorhang sich senkt?

Kommt drauf an, was man denkt…

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