Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Monat: Oktober 2010 (Seite 2 von 2)

hoffnungslos

Ich bin umflort von ihrem zarten Duft nach Rose,
vermengt mit Amber und gar köstlichem Jasmin.
Entzückt von dieser irritierenden Symbiose,
beseelt von diesem lockenden Amphetamin,

verspür ich rot verschämt im Treibhaus meiner Hose
den Übermut des Lüstlings. Wie Adrenalin
schießt mir der Wunsch nach ihrer süßen Herbstzeitlose
durch Mark und Bein. Wohlan! Steig auf, mein Zeppelin!

Wirf deinen Schatten über das so grandiose
und derart schöne Atemräuberhochalpin,
dass mir das Blut fast kocht. Im Bannstrahl dieser Pose
hab ich verloren. Ein berauschter Harlekin,

in ihrer Hand bin ich, und diese Diagnose,
ist hoffnungslos. Da hilft auch keine Medizin.

Immermädchen

Belüge mich, dann will ich mit dir schlafen,
mach mir was vor, dann bin ich endlich dein,
sei schlecht zu mir, dann will ich von den Schafen,
das dümmste, liebste und verführerischste sein.

Sagst Du die Wahrheit, müsste ich mich zieren,
komm, blende mich, das macht mich willenlos,
versuch nicht, mich zu desillusionieren,
dann ebne ich dir einen Weg zu meinem Schoß.

Schaust Du mich an, siehst Du das Immermädchen,
so rein das Herz, so schön der Körperbau,
das Luder sein will. Dreh am rechten Rädchen,
mach es mit Lug und Trug zu deiner Einmalfrau.

Vor dem Telefon

Warum nur quälen wir uns derart mit der Liebe,
wieso tun wir uns damit so unendlich schwer?
Liegt’s an den Genen, an der Umwelt? Sind’s die Triebe?
Ich weiß es nicht, mir fehlt ein Anhaltspunkt bisher.

Was braucht es denn viel mehr, als zwei verwandte Seelen,
Begehren, das Gespräch, Behut- und Achtsamkeit?
Wieso scheint, wenn schon alles da ist, was zu fehlen?
Wird man zu anspruchsvoll und schwierig mit der Zeit?

Ich wünschte, jemand gäbe Antwort auf die Fragen,
ich quäle mich, und während kostbar Zeit verrinnt,
bedaure ich mein Schicksal, hör nicht auf zu klagen,
statt drum zu kämpfen, dass wir wieder glücklich sind.

Ein Anruf nur, ein Wort, ein Zeichen von Vertrauen,
der feste Glaube, durch die Liebe wird es gut,
doch meine fremde Hand kann immer nur zerhauen,
zum Bauen fehlt es ihr an Kraft und mir an Mut.

Verflixt, verflucht, ich kann es immer noch nicht fassen.
Blockiert durch eine Art von lächerlichem Stolz,
kann ich den sturen Groll in mir nicht fallen lassen,
sitz hier gelähmt, wie ein geschnitzter Troll aus Holz.

Was bringt es, wenn ich weiter zaudere und zage,
ich bin nicht Maulwurf oder Maus, ich bin ein Mann!
Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich sage:
„Ich liebe dich. Es tut mir Leid.“ Ich ruf jetzt an!

Projektion

Als Traum im Traum voll dunkler Illusionen,
ist meine Welt ein düstres Scheingespinst,
in dem Gespenster und Dämonen wohnen,
aus der ein Teufel hinterlistig grinst.
 
Ich ringe mit den Geistern, die mich plagen,
bekämpfe meine Schwäche und die Angst.
Die Welt? Ein Sammelsurium von Tagen,
an denen Du um deine Seele bangst.
 
Die Liebe? Wahrlich keine große Waffe,
zu stark die Wut der höllenhaften Brut.
Das Leben? Eine trübe Glaskaraffe,
gefüllt mit Eiter und zersetztem Blut.
 
Doch Halt! Da blitzt ein Hoffnungsschimmer,
ein Mensch erscheint in meiner Illusion.
Ein Freund? Zu spät? Auch dieser bunte Flimmer
verflüchtigt sich - schien nichts als Projektion.

Der Gegner

Du hast mich immer beim Laufen besiegt,
auch sprangst und warfst du viel weiter als ich.
Du hast die hübscheren Mädchen gekriegt,
im Grau deines Schattens schämte ich mich.

Stets warst Du der Typ, dem alles gelingt,
gemessen an mir, der schönere Mann.
Hab mich ans kleinere Schicksal verdingt,
ich kam gegen dich und dein Glück niemals an.

Jetzt steh ich im Herbst, bin ziemlich frustriert,
mein Leben war öd, und deins wunderbar.
Es schmerzt so sehr, wenn man immer verliert –
der Gegner ein Selbstbild, das man nie war.

Altweibersommer

Der Sommer bäumt sich auf.
Die Luft in seinen letzten Zügen
verströmt noch einmal ganze Kraft.
Der Sonne will auf ihrem Lauf
kein Abglanz alten Glücks genügen.
Ihr mischt sich Wehmut schleichend in die Leidenschaft.

Schon weicht das Chlorophyll,
der nahe Herbst spricht aus den Wipfeln.
Ein Bauer macht das letzte Heu.
Ins strahlend sonnige Idyll
bricht kühler Wind von fernen Gipfeln.
Ein feiner Pinsel malt das Laub der Wälder neu.

So träum ich vor mich hin,
das Blau des Himmels wirkt nun blasser,
ich spüre, wie das Ende naht.
Ein Glitzern fesselt meinen Sinn.
Mich lockt das Spiegellicht im Wasser.
Ich zieh mich aus und nehm dies letzte Sommerbad.

Hurenwelt

Huren schenken keine Liebe,
ihre Küsse kosten Geld.
All die großen Bankbetriebe
ähneln einer Hurenwelt.

Keinen Cent für gute Taten,
nur das Böse wird belohnt,
weil die Gier nach Golddukaten
über allem andern thront.

Priester segnen Feldhaubitzen,
Banker zahlen für den Krieg,
wenn sie in der Kirche sitzen
sterben andre für den Sieg.´

Frömmeln, beten, gierig raffen,
grinsend voller Hinterlist,
Frieden schaffen mit mehr Waffen,
bis die Welt zuschanden ist.

Letzter Vorhang

Irgendwann wird der Chirurg
Deines Lebens Dramaturg.
Auch der Arzt für kranke Herzen,
wird mit dem für Rückenschmerzen,
mit den Jahren immer schneller,
vom Statist zum Hauptdarsteller.
Bald steht Deine Maske schon
auf der Intensivstation.

Mehr Gewicht und Dioptrien,
hart der Stuhl, trüb der Urin,
Zipperlein und müde Glieder,
schlechter Schlaf, trotz schwerer Lider,
Altersflecken, Anus-Schrunden
stehn im Drehbuch deiner Stunden,
und der Tod, fait accompli,
übernimmt des Stücks Regie.

Spiel noch mal, wie nie vorher,
spiel, wie später niemals mehr.
Tobe, wüte auf der Bühne,
gib ein Stück von Schuld und Sühne,
hab den Mut für das Obszöne,
zeige deine leisen Töne,
sei pompös, sei fulminant,
bloß kein Schmierenkomödiant.

Zeig dein ganzes Repertoire,
stell den Tod als Narren dar,
spiel noch einmal um dein Leben,
lass das Publikum erbeben,
lass es lachen, lass es weinen,
lass es krachen, lass dich scheinen,
sei noch mal der große Held,
bis der letzte Vorhang fällt.

gewichtig

gewichtigWas wiegt wohl ein Sternenfunkeln,
was am Tag das Sonnenlicht,
hat die Angst bei Nacht im Dunkeln,
sowas wie ein Molgewicht?

Welche Schwere haben Zahlen,
wieviel Gramm hat wohl ein Kreis,
welche Masse nach dem Malen
hat im Aug das Künstlerweiß?

Zeigt die schönste Menschenseele
auf der Waage etwas an,
hat die Wut in einer Kehle
etwas, das man wiegen kann?

Manches, das an Unzen nichtig,
wie das Glück, der Traum, die Zeit,
ist von Wert und schwergewichtig
in des Menschen Wirklichkeit.

Was?

Was wäre ich wohl ohne dich?
Ein Nichts in fader Hülle,
ein sinnentleertes Über-Ich
und Dasein ohne Fülle.

Und fragst Du, was bist Du für mich?
Mein Herz der Transzendenzen,
mein feenhaftes Eigentlich
im Meer der Existenzen.

Was wir je für den anderen sind?
Der Atem in der Kehle,
das Licht im Lebenslabyrinth,
ein Spiegelbild der Seele.

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