Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Kategorie: Leben (Seite 2 von 4)

Kleine Weisheit

Nicht alles, das auf Anhieb geht,
ist ganz des Leichtsinns unverdächtig,
oft zeigt ein Schweigen sich beredt,
sind Angst und Zweifel übermächtig.

Geht alles scheinbar wie geschmiert,
nimm dir doch Zeit, es zu betrachten,
mit etwas Abstand reflektiert,
lässt sich manch böser Geist entmachten.

Beizeit ein kleiner Schritt zurück,
heißt trotzdem hin zum Ziel zu streben,
denn ohne einen klaren Blick
zielt man zwar gut, doch oft daneben.

Himmelsspuk

„Hoffnung“ steht in großen Lettern
auf die Wolken projiziert.
Alle die sonst irdisch wettern
schauen ziemlich irritiert.

„Wohin führen Urvertrauen
und der Glaube in der Welt?
Narren sind’s, die darauf bauen!
Was ein Quatsch am Himmelszelt!“

So stehn sie mit hochgereckten
Köpfen und schaun trotzig drein,
denn die Welt, wie sie entdeckten,
schien zu wahr, um schön zu sein.

„Niemals ist die Zukunft offen!
Ob das Leben glücklich stimmt?
So ein Mist! Wir wollen hoffen,
dass der Spuk sein Ende nimmt!“

Suchen

Mancher sucht den Sinn des Lebens
Zeit desselben ganz vergebens,
bis in ihm die Einsicht siegt,
dass sein Sinn im Suchen liegt.

Ende eines Lebemannnes

Ich sah in den Spiegel, fast kindlich erstaunt,
das Alter wog schwer in jetzt müderen Zügen,
in mir eine Stimme hat leise geraunt,
Du konntest die Frau, doch den Tod nicht betrügen.

Ich nahm ihre Herzen, sie hielten mich jung,
mein Preis für die Jugend, ein Raubbau an Kräften,
erst Sehnsucht… dann Leere… Verbitterung,
bei langsam versiegenden männlichen Säften.

Mein Antlitz entzaubert, ich zählte sie stumm,
die Schneisen und Furchen, die Priele und Falten,
in meinem Gesicht und ich fragte warum
gelang es mir nicht, deine Liebe zu halten.

Ich floh durch mein Leben, des Ende bald naht,
ich stählte mein Ego und stahl von den Frauen,
doch hätt‘ ich nur einmal mein Sehnen bejaht,
ich müsste nicht wütend den Spiegel zerhauen.

So steh ich in Splittern, entgeistert, verwirrt,
erkenne mich selbst in zerborstenen Scherben,
vom Teufel gehetzt durch mein Leben geirrt,
von Lüsten entstellt, muss ich einsam nun sterben.

Letzte Reime

Wie werden meine letzten, leisen Worte lauten,
lieg ich schon brach, und ganz dem Untergang geweiht?
Was bricht heraus, von dem noch in mir Angestauten –
sind Zorn und Trotz, statt Mut und Weisheit mein Geleit?

Soll mich die Angst vor jenem großen Unvertrauten,
verstummen lassen? Sterbe ich in Schweigsamkeit?
Zerstört das Sein am Scheideweg die Mauerbauten
in mir – und füllt mein Herz sich mit Entschlossenheit?

Spür ich den Kern des Todes mir im Körper keimen,
will ich nicht starr an eine kahle Decke sehn,
ich höhne Tod und Teufel in den letzten Reimen,

was nutzt es mir, in Demut und in Angst zu gehn?
Ich möchte laut, nicht ängstlich zitternd im Geheimen,
so wie ein welkes Blatt im kalten Wind verwehn.

Im Konjunktiv

Zu viele leben exzessiv
in fremden Dimensionen,
ihr Leben spielt im Konjunktiv
voll leerer Ambitionen.

Die wahre Welt ist zwar real,
doch kennt sie keine Helden,
so träumt man sich ins Ideal,
hat endlich was zu melden.

Ein „hätte“ wird zum ist-Ersatz,
das „könnte“ zur Parole,
und selbst der größte Hosenmatz
schwenkt seine Gloriole.

Im groß zu tun, statt großem Tun
verlegt man sich aufs „sollte“,
lebt gänzlich wirklichkeitsimmun,
bepreist sein schales „wollte“.

Die Würde stirbt als Korrektiv,
das „würde“ scheint zu lohnen,
den Tagtraum träumt man obsessiv,
lebt blind in Illusionen.

Gedichte

Gedichte taugen nicht zur Bibel,
sind weder Epos noch Traktat,
zu kurz selbst für die dünnste Fibel,
sind sie Gedankenkonzentrat.

Gedichte haben es nicht eilig,
obwohl meist knapp in der Diktion,
sie wirken eher zwischenzeilig
und schlagen einen Herzenston.

Ihr Wert ist niemals nur phonetisch,
erschöpft sich nicht im schönen Klang,
aus ihnen klingt die Welt poetisch
in tief gefühltem Sprachgesang.

Gedichte huldigen dem Leben,
sie rufen auf und schenken Halt,
vermögen Trost und Mut zu geben,
und trotzen lyrisch der Gewalt.

Gedichte können Wege zeigen
aus einem Sein, das sinnlos scheint,
ihr Kraftquell ist beredtes Schweigen,
sie spenden Freude, wo man weint.

Gespensterjagd

Man ist zu oft Chamäleon,
zu selten Don Quichote,
rennt viel zu oft zu schnell davon,
lebt meistens zu bigott,

lacht falsch mit einem Zweitgesicht,
die Maske dominiert,
vergeht als fahles Dämmerlicht,
statt grell illuminiert.

Da ist ein Faust in uns, der sucht
und nach Gespenstern jagt,
ein Dorian Gray, der uns verflucht,
wenn man ihm nicht entsagt.

Zerbrich das Trugbild dieses Seins,
das dich zum Nichts chiffriert,
dein Leben ist nur wirlich deins,
lebst Du es undressiert.

Crossroads (engl.)

When life will lead me to a place,
where many roads collide,
where crossroads form a frightning maze,
I must not still abide.

Some roads seem easy, others tough
which one is the right?
Which path is risky, which is rough,
how can I decide?

Shall I trust the easy way,
which may cost my strength.
Will there be a price to pay,
for its shorter length?

Shall I dare the harder way,
which will keep me strong.
May I risk another day,
cause it is so long?

As I stand here in my fears,
hoping for a light,
a helpful sound within my ears,
to guide me through the night,

I take a look across the land,
as clearness strikes my mind.
I have to go and must not stand
if I want to find…

Schneeflocke

Eine weiße Flocke fliegt,
noch vom Frühling unbesiegt,
flauschig durch die kalte Welt,
ganz auf sich allein gestellt.

Als die Sonne erstmals schaut,
ist die Flocke aufgetaut,
wird im warmen Frühlingsföhn,
tropfenregenbogenschön,

bis sie im Dezemberlicht,
aus der nassen Hülle bricht,
weiß gewandet, süß verflaust,
wieder durch den Winter saust.

Sei ein…

Lass dich ein und lass nichts aus,
in dich geh und aus dir raus,
sei ein Löwe, keine Maus,
sei modern und altes Haus.

Sei ein Freund, der nicht nur lobt,
sei ein Vater, der gern tobt,
sei ein Kind, das sich erprobt,
und sei mehrfach heiß verlobt.

Sei kein Diener, kein Tyrann,
zieh das Weib in deinen Bann,
sei trotz Lust kein Don Juan,
ach was sag ich: sei ein Mann!

Paternoster

Im Paternoster meines Lebens,
vom Grund zum Ziel, vom Ziel zum Grund
bin ich gereist,
Kaskaden von Gedanken sind vergebens,
auf seinem Zahnrad Stund um Stund,
wie blind nur um sich selbst gekreist.

Selbst schnöder Milchkaffee am Morgen,
schmeckt beim Erwachen der Natur,
nach Nektar fein,
mein Schicksal ist im Satz verborgen,
ist Licht auf einer Sonnenuhr,
das Schatten wirft, um ganz zu sein.

Im Auf und Ab hör ich die Stimme,
sie schwört aufs Eigentlichste ein,
spricht aus dem Wind,
und will, dass ich mein Selbst erklimme,
statt mich der Flucht ins Man zu weihn,
wo Geister so verlockend sind.

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