Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Kategorie: Stimmungen (Seite 2 von 2)

Lichtgestalt

Ich fühle mich so unscheinbar
im Strahlenkranz der Lichtgestalt,
und nehme mich als Trugbild wahr,
ein Umriss ohne Sinngehalt.

Beschwörend schau ich zu ihr auf,
ich biete mich als Diener dar,
nähm jede Pflicht und Qual in Kauf,
als Mitglied ihrer Jüngerschar.

Doch wenn ich in ihr Antlitz seh,
erkenne ich den wahren Sinn,
ich bin nur Schatten der Idee,
die sie stets ist, und ich nie bin.

Liebeshain

Im Tau des Morgens atmet still,
mein duftend grüner Liebeshain,
den ich so gern durchwandern will,
im frühjahrswarmen Sonnenschein.

Das Antlitz sanft, im Herzen wild,
so lädt er zum Spaziergang ein.
Ich steh vor diesem Zauberbild,
vor Ehrfurcht stumm am Feldesrain.

Wohlan, ich will der Erste sein,
und wünsche mir dies Traumidyll,
als Ort der Kraft für mich allein,
an dem ich meine Lungen füll.

Worte…

öffnen
TÜREN
gehen zu
HERZEN
gehen auf

rühren zu
TRÄNEN
lügen nicht

reißen
WUNDEN
heilen mit der Zeit

sprechen von
LIEBE
ist auch nur
EIN WORT
kann eine Brücke sein

Weihnachtswunder

Verwirrt durchtaumle ich die die vollen Gassen,
fast blind vom Prunk, der unerträglich ist,
und seh in lemmingleichen Menschenmassen
den Lindwurm, dessen Maul sein Schwanzstück frisst.

Ich schau entsetzt in leere Teiggesichter.
Sie wanken wachsweich starr und fischweis stumm
im Fadenschein und Trug der harten Lichter,
das Antlitz lobotomisch glatt, herum.

Doch an den Händen nährt ein frohes Hoffen
ein Lachen, das dies Blendwerk überstrahlt.
Den Kindern steht das Weihnachtswunder offen,
für das man als Erwachsener bezahlt.

Panik

Schmerz zerreißt mich. Nackte Wut
frisst heiß, wie gallig scharfe Säure,
sich durch den letzten Rest von Mut,
verbrennt mich, und die ungeheure,

Panik, die im Kopf entsteht,
will Schmerz zu tiefer Angst verdichten.
Das Nichts, das mich unfängt, vergeht
wohl nie und muss mein Sein vernichten.

Fäden, die mein Gleichgewicht,
seit Tagen nurmehr seiden halten,
zerbersten, dass es stürzend bricht –
mein Herz, das kalte Zweifel spalten.

Platzend reißt die harte Haut.
Die Starre löst sich, all das Leben,
das viel zu lang sich in mir staut,
ist schwarzem Blutsturz beigegeben.

Hände hab ich nicht genug,
und spür mein Ich, ganz wie von Sinnen,
enttäuscht von Selbstsucht und Betrug,
zersetzt durch meine Finger rinnen.

Gleitzeit

Es war ein Tag wie Terpentin,
ich zog Routinekreise,
die Zeit roch streng, flog schnell dahin,
auf altbekannte Weise.

Auf einmal drang ein Duft von Grün,
in meine Blinddarmnase.
Ich schmiss den Nachmittagstermin,
floh alle scharfen Gase.

Die frische Luft roch feminin,
nach bunter Blütenpause,
ich küsste meine Gärtnerin,
und nahm sie mit nach Hause.

Rund

Du hast
meine Ecken und Kanten
weggestreichelt.

Vermutlich
fühle ich mich deshalb
so rund mit Dir.

Alleine sein

Wenn niemand morgens bei dir weilt
und deinen Tag erhellt,
und niemand deinen Abend teilt,
sich still zu dir gesellt,

wenn niemand sanft dein Herz erfüllt
und deinen Bauch erwärmt,
wenn niemand deine Sehnsucht stillt
und sehnend für dich schwärmt,

wenn niemand deine Lippen küsst,
und deine Haut liebkost,
und niemand deine Nacht versüßt,
wenn ’s lustvoll in dir tost,

dann ruh dich aus im Kerzenschein,
genieße deine Zeit –
allein mit dir im Reinen sein,
ist keine Einsamkeit.

Schiffchen

Wenn der fahle Mond
schon bei Tage
zu sehen ist,

hat die Nacht
nichts mehr zu bieten,
außer ein paar
am Himmel vor sich hin
dümpelnde Schiffchen,

deren Kajütenlicht
mir funkelnde Sterne
vorgaukelt, während
ihre Segel in der Flaute
der schwarzen See
keinen Halt finden,

und die hilflos ankern
in meinen stillen Gedanken…

In einer Sommernacht

Still schon liegt die Stadt am Abend,
vom Regen dampft noch der Asphalt,
die Nacht, sich langsam in den Tag eingrabend,
naht Schatten werfend aus dem Wald.

Die Menschen spüren in den Gliedern,
wie sich der Schlaf schon in sie schreibt,
und die sich spiegelt in den Abendmiedern,
fragt sehnend wo der Liebste bleibt.

Die Männer ignorieren in den Schwaden,
beim Bier das Drama ihrer Zeitlichkeit,
und rezitier’n mit bloß gelegten Waden
die Träume ihrer Jugendzeit.

Derweil steht sie vor ihrem Spiegel
und schiebt die Brust in Positur,
schaut auf die Tür und deren schweren Riegel,
und lauscht: Wo bleibt der Liebste nur?

Als sich die Männer dann erheben,
die Beine und die Köpfe schwer,
will sie sich traurig ihrem Schlaf ergeben,
es scheint, der Liebste kommt nicht mehr.

Bald hört sie seine leisen Schritte,
in ihres Hauses kühlem Flur,
spürt süße Lust in ihrer Leibesmitte,
wirft wieder sich in Positur.

Er naht mit seinen Mannesgaben,
sie fühlt sich fast schon sanft verführt,
doch will er sie nur flüchtig haben,
weil er ihr Sehnen nicht mehr spürt.

Dann sinken sie in ihre Kissen,
dort liegt sie weinend, um den Schlaf gebracht,
und er ruht stolz im schalen Männerwissen
in einer schwülen Sommernacht.

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