Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Herr Müller und der Baum

Herr Müller sucht zum Weihnachtsfest
den tollsten Baum der Stadt,
weil Nachbar Schmidt, was ihn sehr stresst,
wohl sonst den größten hat.

Von einem Baum, hoch wie ein Mast,
hat der zuletzt erzählt,
was unsern Müller ohne Rast,
mit Neid und Missgunst quält.

Herr Müller zieht die Handschuh an,
bemützt sein kahles Haupt,
und rast und friert und sucht sodann,
bis er sich fündig glaubt.

Der Baum scheint groß und wohlgestalt
Zwei Meter misst das Stück,
er scheint ihm etwas hoch bezahlt,
doch wähnt er sich im Glück,

Er schultert seinen Weihnachtsfund,
und schleppt ihn heim nach Haus,
er scheuert sich die Finger wund,
doch macht ihm das nichts aus.

Er spürt den Strom, der hochfrequent
durch seinen Rücken rast,
weil ihm der Ischias schmerzvoll brennt
ob der zu großen Last.

Herr Müller robbt im Schneegebraus,
das Antlitz schmerzverzerrt
mit seinem Riesenbaum nach Haus,
den er so heiß begehrt.

Schon festlich ist der Tisch parat
mit Omas Porzellan,
und Müller stolz wie ein Soldat,
hebt seine Tanne an.

Er spürt in sich ein tiefes Glück
und siegerlächelt stolz,
dagegen taugt des Nachbars Stück
wohl nur zum Feuerholz.

Der Baum, er prangt und wird geschmückt,
er freut sich wie ein Kind,
ist ob der Kerzen hochbeglückt,
weil es nur echte sind.

Herr Müller, der den Baum erklimmt,
er gibt sich akkurat,
damit der Strohstern oben stimmt,
den er in Händen hat.

Sein Sohn, mit Schokoweihnachtsmann
kommt in den Raum hinein,
stößt aus Versehn die Leiter an,
wir hören Müller schrein.

Herr Müller brüllt und zappelt wild
greift nach der Zimmerleucht’,
sein Fuß zerstört den Hirsch im Bild,
als er laut panisch keucht…

Wie immer kommt ein zweites dann
zum ersten Ungemach,
der Dübel der nicht halten kann,
bricht aus dem Putz mit Krach.

Voll auf den Tisch – der Müller stürzt
zudem fällt auch der Baum,
der Braten, raffiniert gewürzt,
er segelt durch den Raum.

Der Baum zerbirst im Flammenstich,
schon schmilzt der Weihnachtsmann,
die Kerzen zünden weihnachtlich
die Tüllgardinen an.

Das Zimmer strahlt im hellen Schein,
die ganze Bude brennt,
worauf der Müller nicht allein
raus auf die Straße rennt.

Am Ende geht die Feuerwehr,
das Haus qualmt imposant,
Herr Müller heult, die Gattin mehr,
der Nachbar kommt gerannt.

„Was für ein Pech zum Krippenfest,
wir laden euch gern ein,
zu unserm Weihnachtsbratenrest
und einem Gläschen Wein.“

Der Müller ist nur leicht verletzt
und folgt ihm in sein Haus,
auch Frau und Kind, noch schwer entsetzt,
sehn mitgenommen aus.

Ach wie Müller da erschrickt,
als er zur Stube geht
und dort des Nachbarn Baum erblickt,
der auf dem Tischlein steht.

Kaum einen Meter misst der Baum,
Herr Müller wird ganz bleich.
Er ringt nach Luft und glaubt es kaum,
sein Kniegelenk wird weich.

Bedenke: wer nach andern schielt,
jagt oft nur schönen Schein,
denn das, worauf er neidisch zielt
kann auch ein Unglück sein.

1 Kommentar

  1. So, und nach meinem Rating:

    Alles Gute für 2010.
    Gruß
    Petros

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