Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Tag: Herbst

Winterruh

Der Winter spürt die erste Schwäche
des Sommers, wenn die Sonne weicht,
schickt Herold Herbst,
dass er den Rest von Wärme breche
mit seinem Grau,
das sich ins Herz der Farben schleicht.

Die Menschen flüchten in die Räume,
wenn Sturmwind um die Häuser braust.
Mit kalter Hand
greift er ins Blattgerüst der Bäume,
das Laubwerk fällt,
als er die roten Kronen zaust.

Der Sommer hat den Ruf vernommen,
macht seine müden Augen zu.
Er lässt jetzt los.
Auch seine Zeit wird wiederkommen,
wie jedes Jahr.
Dann legt er sich zur Winterruh.

Altweibersommer

Der Sommer bäumt sich auf.
Die Luft in seinen letzten Zügen
verströmt noch einmal ganze Kraft.
Der Sonne will auf ihrem Lauf
kein Abglanz alten Glücks genügen.
Ihr mischt sich Wehmut schleichend in die Leidenschaft.

Schon weicht das Chlorophyll,
der nahe Herbst spricht aus den Wipfeln.
Ein Bauer macht das letzte Heu.
Ins strahlend sonnige Idyll
bricht kühler Wind von fernen Gipfeln.
Ein feiner Pinsel malt das Laub der Wälder neu.

So träum ich vor mich hin,
das Blau des Himmels wirkt nun blasser,
ich spüre, wie das Ende naht.
Ein Glitzern fesselt meinen Sinn.
Mich lockt das Spiegellicht im Wasser.
Ich zieh mich aus und nehm dies letzte Sommerbad.

Der Herbst, ungeschminkt

Der Herbst, die goldne Jahreszeit,
macht unser aller Herzen weit,
und hast Du sonst nichts zu berichten,
so kannst Du ja vom Regen dichten,

vom Wind und von der kalten Brise
(von der ich im Oktober niese),
vom roten Wald, als Dein Altar,
(mich plagt ein schwerer Halskatarrh),

Du schreibst vom Duft im nassen Gras,
(ich hab den ersten Grog im Glas),
ergötzt Dich an den Regentropfen,
(in meiner Nase steckt ein Pfropfen),

Du hast vom Blätterfall erzählt,
(derweil mich eine Grippe quält)
und von des Herbstes Vogelflug
(ich hab vom Schnupfen echt genug),

auch von des Mooses weichen Betten,
(ich will mich an die Heizung ketten),
wie auch der Wind gar lieblich singt,
(was mir mehr wie ein Heulen klingt),

hast ihm schon ein Sonett geschrieben,
(Du sollst ja Deine Feinde lieben…),
und dichtest für ihn viele Oden,
doch geht er mir nur auf die Eier…

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