Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Schlagwort: Politik

Kanzlerolympiade

Ich starte meine eigne Olympiade
will bald schon Kanzler aller Deutschen werden.
Der Spruch von falscher Hast und jungen Pferden
ist Ansporn mehr, als hemmende Blockade.

Dank einer populistischen Scharade,
betäube ich die Wähler-Lemmingherden,
im feinen Zwirn mich salbungsvoll Gebärden,
verschafft mir eine ehrliche Fassade.

Dem Unwägbaren in den Plebisziten
zu wehren, will ich Feuerreden halten.
Ich les der Führerkaste die Leviten,

erkläre meinen Bruch mit allen alten,
nur scheinbar ewig zementierten Riten,
lass Milch und Honig unser Land gestalten.

Dann will ich jenseits ausgetretner Pfade,
zum Schutz vor Tod und Hunger und Verderben,
für Frieden auf der ganzen Erde werben,
wohl noch in meiner ersten Amtsdekade,

(denn weniger als Helmut Kohl wär schade)
Mahatma Gandhi und sein Werk beerben,
wenn alles glückt, von Mörderhänden sterben
am Ende meiner Köpenickiade.

Zum Dank für pazifistische Meriten,
spür ich den Tod mich bitterkalt durchwalten.
Beim nächsten Mal lass ich mir das nicht bieten,

will meine Seele mal ganz anders spalten,
und schieß als Sheriff auf Wildwestbanditen
in dieser besten aller Heilanstalten.

Ohne Meinung

Der erste Reim ist nicht romantisch,
erzählt auch nicht vom Liebesspiel,
er dreht syntaktisch und semantisch
sich nicht ums Herz im Dichterstil.

Der zweite Vers ist nicht politisch,
greift keinen Missstand klagend an,
im Inhalt überhaupt nicht kritisch,
schließt er so zahm, wie er begann.

Der Winter fehlt in diesen Zeilen,
der Herbst wird gänzlich ignoriert,
der Lenz soll keine Schwermut heilen,
der Sommer wird nicht diskutiert.

Sogar der Tod wird ausgelassen
ganz konsequent in Strophe vier.
Geburt und Leben lyrisch fassen,
dafür steht dies Gedicht nicht hier.

Auch Engel, Teufel und Konsorten,
die Hölle und das Himmelstor,
sie bleiben in des Dichters Worten,
aus guten Gründen außen vor.

Und fragt der Leser sich im Stillen,
wozu dies Werk, worin der Sinn,
des Reimens um des Reimes Willen,
dann weil ich ohne Meinung bin.

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