Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Tag: Regenbogen

Mein Gott!

Eimerweise schüttest Du mir Flausen
direkt hinter den Rand der Großhirnrinde.
Im Mandelkern, wo die Gefühle hausen,
spür ich ein gnadenloses Schraubgewinde

fast schon bergbautunnelgroße Löcher bohren,
um Kanülen vom Fassungsvermögen
einer Pipeline bis in meine heißen Ohren
zu verlegen, nur damit die Regenbögen

in meinem Kopf mit der richtigen Feuchte
versorgt werden können, die sie neben
etwas Licht benötigen – aus der Leuchte,
die Du ganz still und beiläufig soeben

dem liebestollen Schalk in meinem Nacken
implantiertest. Der hat vielleicht gezappelt,
weil Du ihm, (er ist so schlecht zu packen),
eins verbraten hast. Das hat im Kopf gerappelt,

als würde ein Güterzug hindurchrasen.
Jetzt sitz ich hier und spüre deine Zungenspitze
auf meinem Bauch im Licht der Lampe grasen,
die dem Nackenkobold durch die rote Mütze

leuchtet, wie ein Pufflicht. Ich denke an Bordelle,
lächle auf eine verträumte Art lüstern-träge,
weil man man da Sex ohne Gefühle auf die Schnelle
kriegt, ohne dass deine Zunge, der Stichsäge,

ähnlich, liebestoll in meine weiche Bauchhaut dringen
will, und einen Krater schneidet um den Nabel,
wie ein Eifelmaar. Willst Du mich um die Ecke bringen?
Und… mein Gott! Was machst du mit dem Starkstromkabel???

Schneeflocke

Eine weiße Flocke fliegt,
noch vom Frühling unbesiegt,
flauschig durch die kalte Welt,
ganz auf sich allein gestellt.

Als die Sonne erstmals schaut,
ist die Flocke aufgetaut,
wird im warmen Frühlingsföhn,
tropfenregenbogenschön,

bis sie im Dezemberlicht,
aus der nassen Hülle bricht,
weiß gewandet, süß verflaust,
wieder durch den Winter saust.

© 2017 Terrabella

Theme by Anders NorenUp ↑