Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Schlagwort: Traurigkeit

Deinem Duft

Deinem DuftWie könnte ich den Zauber fliehen,
den Du auf meine Tage legst,
kann mich dem Wunder nicht entziehen,
mit dem Du meine Welt bewegst.

Zu Hause steh ich vor dem Spiegel
und frage mich die ganze Zeit,
warum hab ich nur keine Flügel,
ist doch der Weg zu dir so weit.

Ich geh und schlage meinen Kragen
nach oben in der kalten Luft,
so lang mich meine Füße tragen
folg ich im Dunkel deinem Duft.

Zyklus (Abschied und Wiederkehr)

Abschied

Die Häuser tragen heute keine Farben.
Ihr Antlitz fließt, verschwimmt mit dem Asphalt.
Sie tragen Trauer. Mauern starr und kalt,
Die Gärten nackt, als wenn sie jüngst verbarben,

so liegt die Straße mit den Pfützennarben
wie tot – ein kaum belebter Sachverhalt.
Nur eine fest vermummte Scheingestalt
durchstreift die warmen Schatten, die verstarben,

als Du mich küsstest und mir noch im Gehen
ein Lächeln schenktest, dass mich schmerzend traf.
Ich war gelähmt, hing mit der Tür im Rahmen,

und ließ, was war, wie fremd mit mir geschehen,
bis mir in diesem trauerschweren Schlaf,
in einem Akt der Kraft die Tränen kamen.

Wiederkehr

Die Häuser schmücken kunterbunte Fahnen.
Ihr Antlitz strahlt, wie lüstern lacht die Stadt.
Die Bäume grünen, Gärten leuchten satt.
Die Luft schmeckt süß und marzipanen,

Im Licht der Sonne glänzen cellophanen
die letzten Pfützen. Menschen gehen matt
doch fröhlich Ihren Werken nach. Es hat
der Tag ein flüsterleises Dich erahnen,

Das ich kaum greifen kann. Ein tiefes Sehnen
Erfüllt mein Herz mit Lust und geisterhaft
mit Freude, dich zu sehn. In meinen Fasern,

wie auch im wirren Flechtwerk meiner Venen,
verweht der Schmerz und eine frische Kraft
will meine Haut mit deiner Liebe masern.

Widerhall

Ich habe Fenster, gänzlich ohne Scheiben,
ich bin ein Haus, doch fehlt zum Hof die Tür,
in mir will keine andre Seele bleiben,
es ist zu kühl und fremd in mir dafür.

Auf meinem Dachstuhl fehlen manche Ziegel,
das Mauerwerk ist feucht, der Keller kalt,
in meinem Wohnraum schützt ein schwerer Riegel
mich vor dem Brausen der Naturgewalt.

Ich höre Schritte auf der morschen Stiege,
sie knarzt und knarrt, ich höre, wie es klopft,
ich spüre durch die Trance in der ich liege,
wie mir das Herzblut von den Wänden tropft.

Ich stöhne auf, der Wind pfeift durch die Räume,
der Regen prasselt auf mein leckes Dach,
gespenstisch wiegen sich im Sturm die Bäume,
ein greller Blitz zuckt auf, ich werde wach.

Mein Riegel klemmt nach all den schweren Jahren
voll Niedergang und tödlichem Verfall.
Von deinen Schritten, die mir Hoffnung waren,
bleibt nur ein abschiedsschwerer Widerhall.

Ich geh

Komm her!
Ich floh in deine Arme,
von Angst um dich und mich beseelt,
doch statt des Heißen hat das Warme,
in diesem Augenblick gefehlt.

Bin da!
Ich nahm von deinen Gaben,
lag still und koste deine Brust,
doch wollte ich mehr Liebe haben,
statt hergeschenkter Lust.

Ich geh,
und wein um gute Zeiten,
sie waren mein wohl größtes Glück,
ein Stück will ich dich noch begleiten,
dann lass ich dich zurück…

Tatenlos

Hab einen Mund zum Sagen,
zwei Augen um zu sehn,
schwieg ohne Kraft an vielen Tagen,
ließ reiche Zeit wie blind verwehn.

Hab Ohren um zu lauschen,
zwei Füße, um zu gehn,
statt deiner hörte ich ein Rauschen,
blieb stumm in Angst gefangen stehn.

Zu spät mein Herz zum Lieben,
die Lippen, um zu flehn,
sah unser Glück ins Nichts zerstieben,
ließ alles tatenlos geschehn.

Sonnenuntergang

Die Sonne küsst die Erde wach,
der Frühling wärmt die Welt,
der Baum bekommt sein Blätterdach,
im blauen Himmelszelt.

Doch in mir ist es wintergleich,
im Herzen braust ein Wind,
mein Puls geht schwer und schmerzensreich,
weil unsre Zeit verrinnt.

Da draußen warm und in mir kalt,
mein Frühling scheint verneint,
weil meine Sonne gar zu bald,
nicht mehr für mich scheint.

Was gäbe ich für neues Licht,
und einen neuen Funken,
ach Sonne, sei mir bitte nicht,
für immer ganz versunken…

In einer Sommernacht

Still schon liegt die Stadt am Abend,
vom Regen dampft noch der Asphalt,
die Nacht, sich langsam in den Tag eingrabend,
naht Schatten werfend aus dem Wald.

Die Menschen spüren in den Gliedern,
wie sich der Schlaf schon in sie schreibt,
und die sich spiegelt in den Abendmiedern,
fragt sehnend wo der Liebste bleibt.

Die Männer ignorieren in den Schwaden,
beim Bier das Drama ihrer Zeitlichkeit,
und rezitier’n mit bloß gelegten Waden
die Träume ihrer Jugendzeit.

Derweil steht sie vor ihrem Spiegel
und schiebt die Brust in Positur,
schaut auf die Tür und deren schweren Riegel,
und lauscht: Wo bleibt der Liebste nur?

Als sich die Männer dann erheben,
die Beine und die Köpfe schwer,
will sie sich traurig ihrem Schlaf ergeben,
es scheint, der Liebste kommt nicht mehr.

Bald hört sie seine leisen Schritte,
in ihres Hauses kühlem Flur,
spürt süße Lust in ihrer Leibesmitte,
wirft wieder sich in Positur.

Er naht mit seinen Mannesgaben,
sie fühlt sich fast schon sanft verführt,
doch will er sie nur flüchtig haben,
weil er ihr Sehnen nicht mehr spürt.

Dann sinken sie in ihre Kissen,
dort liegt sie weinend, um den Schlaf gebracht,
und er ruht stolz im schalen Männerwissen
in einer schwülen Sommernacht.

Fort…

Nun bist Du fort
ohne ein Wort,
hast auf Deinen leisen Sohlen
Dich heimlich einfach fortgestohlen.
Was warf Dich so aus unsrer Bahn,
was habe ich Dir angetan?
Haben wir genug geredet,
oder uns nur angeödet,
und hab ich einfach nicht gespürt
wohin Dein Weg Dich heute führt?

Sag – ist da ein andrer Mann,
der Dich mehr entflammen kann,
oder hast Du mich so satt,
dass leichtes Spiel der Fremde hat?
Warum hast Du mir nichts gesagt,
warum nur hab ich nicht gefragt,
was Du so schwer und traurig fandest,
als Du so schweigsam vor mir standest?

Warum nur bist Du so erkaltet,
hab ich doch alles schön gestaltet,
habe stets an allen Tagen,
auf meinen Händen Dich getragen,
bin immer aufmerksam gewesen,
hab jeden Wunsch Dir abgelesen,
von Deinen Augen, die stets schauten,
als wenn sie ewig auf uns bauten,
die jetzt nach neuen Ufern sehen,
sag was ist nur mit uns geschehen?

Ich bitte Dich, komm doch zurück,
zu schön war unser kurzes Glück,
wir haben uns soviel zu geben,
noch soviel vor uns zu erleben,
mein Herz, ich fleh und bitte Dich,
sei wieder mein, ich liebe Dich…

Gegangen

Oft merkt man erst, wie man vermisst,
wenn jemand fortgegangen ist,
der Dir, statt dass er Glück verheißt,
ein Loch in Deine Seele reißt…

Dann wünschst Du sehnlich, dieses Glück,
es käm alsbald zu Dir zurück,
um dieses Loch gesundzuheilen,
und Dir im Herzen zu verweilen.

Doch zwingt der Schmerz Dich einzusehen,
dass manche gleich für immer gehen,
hast Du sie dumm und unbedacht,
um ihren Mut zu Dir gebracht.

Du kannst nun voller Inbrunst flehen,
sie mögen nicht für immer gehen,
doch traurig wird Dir manchmal klar,
dass es wohl doch für immer war…

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