Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Month: April 2006

Verlangen

Meine Hand spürt Dein Verlangen,
als unter ihr Dein Bauch erbebt,
von Wollust rot sind Deine Wangen,
als lustvoll deine Brust sich hebt. 

Dein Pulsen spür ich mit der Zunge,
die Deine Brüste zart liebkost,
Begehren schnürt mir Herz und Lunge,
als es in mein Lenden tost.

Und als wir beide uns vereinen,
sind wir von allen Sorgen frei,
als wollten wir die Welt verneinen,
den Alltag und sein Einerlei.

Nun willst Du meine Glut genießen,
ziehst mich voll Lust in Dich hinein,
will meinen Fluss in Dich ergießen,
und ganz mit Dir verbunden sein.

Wir halten uns nach diesem Beben,
und küssen uns ganz sanft und sacht,
wir wollen noch ein wenig schweben,
bis unsre Lust wieder erwacht…

Du bist…

Du bist in jeder meiner Poren,
in jedem Klang in meinen Ohren,
in jedem Schlag von meinem Herzen,
ein Schmerz im Glück, ein Glück in Schmerzen.

Du bist in jedem Wimpernschlag,
in jeder Speise, die ich mag,
in jedem warmen Sonnenstrahl,
in jedem Wort in jeder Zahl.

Du bist in jedem Atemzug,
bist tiefe Sehnsucht, nie genug,
Du bist im Mond am Himmelszelt,
im Regen, der herniederfällt.

Du bist im Kitzeln meiner Nase,
ein Frühlingsstrauss in leerer Vase.
Du bist in jedem meiner Schritte,
und in jeder Regung meiner Mitte.

Du bist der Duft im Rosenrot,
das Wasser für mein Lebensboot,
ein Leuchtturm mir auf schwerer Fahrt,
und Rettung mir, wenn Unheil naht.

Bist schillernd wie der Regenbogen,
im Kräuseln auf des Ozeans Wogen,
Du bist im frischen Grasegrün,
und auch im bunten Blumenblühn.

Du bist im glockenhellen Lachen,
in Funken, die das Feuer machen,
Du bist im sprudelnd klaren Bach,
im Regen mir ein festes Dach.

Du bist das sanfte Meeresrauschen,
ich will an Deinen Ufern lauschen.
Du bist im Rascheln in den Wipfeln,
im Schnee auf puderweissen Gipfeln.

Du bist für mich der ruhige Hafen,
ich will in Deinen Armen schlafen,
will zart Dich an den Händen fassen,
mich ganz tief in Dich fallen lassen.

Du bist in meinem Haar der Wind,
bist Klarheit, wo sonst Zweifel sind.
Du bist der helle Sonnenschein,
ein echter Trost, bin ich allein.

Du bist mein Fühlen und mein Spüren,
ich will mich stets mit dir verführen,
mich mit Dir durch die Kissen wälzen,
und zart und wild mit Dir verschmelzen.

Du bist mein Stern am Firmament,
ein Feuer, das tief in mir brennt.
Du bist der süsse Morgentau,
bist Freundin mir, geliebte Frau.

Bist manchmal Schmerz und Traurigkeit,
Vertrauen, Sanftmut und Geborgenheit,
bist Schokocreme in meiner Torte
und viel, viel mehr als diese Worte.

Du bist das Prasseln im Kamin,
die Seele, die ich selber bin,
Mit jeder Faser lieb ich Dich
Du bist ein guter Platz für mich…
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Hier dazu noch etwas im anderen Rhythmus…

Du bist das Herz in meinem Fühlen,
das Zentrum meines ganzen Seins,
Du bist das Wasser auf die Mühlen,
des mir sonst viel zu schweren Steins.

Du bist in meiner Tränen Glitzern,
in ihrem Salz das süsse Element,
in den Million keinen Spritzern,
das was vom Schmerz die Freude trennt.

Du bist mir manchmal grosse Trauer
doch mehr noch meines Glückes Quell
gibst meiner Liebe Halt und Dauer
machst meine dunklen Stunden hell

Die ärztliche Kunst

Chirurg, das bin ich aus Passion,
“Fleischermeister“, sagt mein Sohn.
Eigentlich bin ich zu alt –
ich zittre viel, doch fürs Gehalt
lohnt es sich, wie wir gleich sehn
über Leichen auch zu gehn.

Wenn ein Schnitt daneben geht
und mein Fuss im Blute steht,
ist das sehr bedauerlich
und nicht minder schauerlich.

Ein Patient, der mich gut kennt
macht vorher sein Testament.
Steckt im Herz erst das Skalpell
geht der Rest meist ziemlich schnell.

Wird die Leiche rausgetragen,
kann sie mich nicht mehr verklagen.
Steh ich auch mal vor Gericht,
stört mich das meist weiter nicht.
Oft gelingt´s das recht zu beugen.
Tote sind halt schlechte Zeugen…

Die Eisenbahn und das Kamel

Eine kleine Eisenbahn
fuhr mit einem Affenzahn
durch die Wüste Sahara,
wo die Hitze furchtbar war. 

Auf dem Weg zur fernen Küste
traf die Bahn tief in der Wüste
ein Kamel das wiederkäute
und sich seines Lebens freute.

Es lachte und sprach gut gelaunt:
“Was seh ich da, ich bin erstaunt!
Karawanen, die auf Gleisen
blitzschnell durch die Wüste reisen,
sind so selten wie Personen,
die pudelnackt am Südpol wohnen.
Dazu als Zugtier vornean,
ein Kamel, das rauchen kann.“

Das Kamel ward gelb vor Neid,
sprach, es ginge meilenweit,
obwohl es einen Fußpilz hätte
für nur eine Zigarette.

Doch selbst für es, als Tier der Tat,
sei der nächste Automat
in Gizeh bei den Pyramiden
zu weit entfernt und zwar entschieden.
Doch sei das gute Stück auch fern,
es ginge hin, es rauche gern.

Darauf bot ihm die Eisenbahn
eine Vorzugskarte an,
die das Kamel in Anspruch nahm
und so nach Ägypten kam.

Es rauchte dort so manche Stange,
doch es lebte nicht mehr lange.
Heute ruht das Tier in Frieden,
denn es ist am Krebs verschieden.

Sein Bild, das heut, es klingt verrückt,
die Camel-Filter-Packung schmückt,
beweist, und das liegt auf der Hand –
Kamel und Raucher sind verwandt…

Deutschland-Holland

22 Fußballrecken
stehn im Mittelkreis Spalier,
zum Kampf um Einwurf, Freistoß, Ecken,
noch mehr um Tore sind sie hier. 

Die Orangen wild entschlossen
stürmen vor aufs deutsche Tor
hätten gern ein Tor geschossen,
doch der Kahn der steht davor.

Und der Ballack wagt den Tanz
mit dem Ball – ein Augenschmaus,
spielt dann das Ei mit Eleganz
filigran ins Seitenaus.

Einwurf für die Käsemacher,
im deutschen Strafraum herrscht Entsetzen,
Van Nistelroy will einen Kracher
in den linken Winkel setzen.

Doch der Olli diese Katze
fliegt der Kugel hinterher
fischt die Pocke mit der Tatze –
heute bleibt sein Kasten leer.

Abwurf auf den langen Ziege
der den Ball nach vorne treibt,
ein Haken, eine elegante Biege,
dass Rudi sich die Augen reibt.

Flankenwechsel auf den Hamann,
der den Lahm im Nacken spürt
es folgt ein kurzer Pass sodann,
wonach der Lahm die Kugel führt.

Vom Publikum nach vorn getragen,
überbrückt er flink das Mittelfeld
bis seine Flanke – scharf geschlagen,
dem Ballack auf die Rübe fällt.

Der Ball, er fliegt in hohem Bogen,
steht wie ein Stern am Firmament,
Kuranyi wird am Hemd gezogen,
während Wörns ins Leere rennt.

Der Ball macht nur ein leises Ploppen,
als er auf die Wiese springt,
Frings versucht das Ding zu stoppen,
was ihm nur zum Teil gelingt.

Sechzehn muskulöse Beine
dreschen auf die Kugel ein,
doch plötzlich – Bobic – steht alleine,
drückt mit dem Knie die Kirsche rein.

Was danach folgt ist kein Gekicke,
ist Rasenkrieg mit Krach und Bumm,
zum Schlusspfiff fehlen Augenblicke,
da fällt Makaay im Strafraum um.

Nowotny unser Abwehrhüne
hat zu behäbig sich bewegt,
kaum schneller als ne Wanderdüne,
hat er den Stürmer umgelegt.

Statt Schlusspfiff gibt es nun Elfmeter,
für Orange ein großes Glück,
trotz Rudis Schreien und Gezeter,
der Schiri nimmt ihn nicht zurück.

Revolte in den Nervenenden,
als das Ei den Strafraum quert,
doch Kahn, das Tier mit Pfannenhänden,
hält seinen Kasten unversehrt.

Aus, vorbei, das Spiel Geschichte,
das deutsche Glück, es scheint perfekt,
der Fredi strahlt im Rampenlichte
als Skibbe unsern Bobic weckt…

Doch manche Träume werden Wahrheit,
die wiederum Legenden speist,
auch wenn der Held nach einer Spielzeit
am Ende doch Podolski heißt…

Der Neger und der Schornsteinfeger

Es war einmal ein kleiner Neger,
der traf auf einen Schornsteinfeger.
es stritten sich die beiden sehr,
wer von beiden schwärzer wär.

Es schien, der Streit, er nimmt kein Ende,
doch Petrus sorgt für eine Wende.
Schickt einen Regen nicht zu knapp
und wäscht den Schornsteinfeger ab.

Der Neger jauchzt und lacht dazu,
ruft:“ ich bin schwarz und weiß bist Du!“
Der Schornsteinfeger grinst verschlagen
und will dem Neger an den Kragen.

Doch eh die beiden sich versehn,
da ist das Wunder schon geschehn.
Durch einen wundersamen Segen
macht Petrus Schnee aus seinem Regen.

Des Negers lachen wird ganz leis,
denn plötzlich ist der Mohr ganz weiß.
Nun lächeln beide, Gott sei Dank,
vergessen sind nun Streit und Zank.

Es haben wohl gelernt die beiden,
zwar hilft die Farbe unterscheiden,
doch schaut man sich ins Herz hinein,
dann kann man trotzdem Freunde sein.
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Natürlich ist mir bekannt, dass man den Begriff
“Neger” heute nicht mehr politisch korrekt
verwenden darf. Als dieses Gedicht – ein Jahr vor
meinem Abitur geschrieben wurde, war das noch
nicht so, und deshalb hoffe ich, dass man mir
das vor dem Hintergrund des Gedichtcharakters
nachsehen möge…

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