„Ich hätte da noch Mandelkuchen“,
sagt mir der Herr, den ich besuch.
Ich würde den so gern versuchen,
doch stört mich etwas am Geruch.
Ich frage mich: Warum das Zaudern?
Woher kommt diese Aversion?
Mich lockt bei Milchkaffee und Plaudern
die schiere Größe der Portion.
Und während ich noch sitz und grübel,
wieso der Anblick mich erschreckt –
warum wird mir beim Riechen übel,
Ist doch der Tisch so nett gedeckt,
Da schiebt er mir ein Viertel rüber,
und plötzlich fällt mir ein, wieso:
Mein gastfreundliches Gegenüber
ist hier der Klinik HNO.
Ich danke höflich, doch entschieden,
trotz brennend heißer Backwerksucht.
Das Mandelstück gehört vermieden,
Darum ergreife ich die Flucht.
Ich rase ohne weitre Faxen
und grußlos raus ins Treppenhaus.
Dort brech ich mir beim Sturz die Haxen:
Mein Gott, das sieht echt gruslig aus!
Kaum in der Klinik angekommen,
fragt mich der Arzt, den ich dort seh
(ich bin vom Schmerz noch voll benommen),
ob ich auf leckres Eisbein steh.
Im Rollstuhl, ohne nachzudenken,
flieh ich die Klinik wie im Wahn.
Verpass im Stress, gezielt zu lenken,
und pralle auf die Straßenbahn!
Jetzt lieg ich da, bedenklich blutend,
von fern hör ich „Tatütata“.
Der Doc von eben, fies anmutend,
naht grinsend: „Ich bin wieder da!“
Mir rutscht das Herz tief in die Hose,
schon wieder hab ich mächtig Schiss.
Zu Recht im Schein der Diagnose:
Sie weist auf einen Lungenriss.
Verflixt! Da ist er kein Experte,
nur Knochen sind sein Fachplateau.
Das Wort ergreift der ehrenwerte
Kollege aus der HNO:
„Nicht nur die Lungen, auch die Mandeln
sehn beim Durchleuchten kritisch aus.
Es scheint, wir müssen schnellstens handeln,
die sind marode – müssen raus!
Sie werden sicher bald gesunden,
dann lade ich Sie zu mir ein.
Ein Stückchen Kuchen wird uns munden,
ich denk, aus Mandeln wird es sein.“

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