Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Tag: Jahreszeiten

Winterruh

Der Winter spürt die erste Schwäche
des Sommers, wenn die Sonne weicht,
schickt Herold Herbst,
dass er den Rest von Wärme breche
mit seinem Grau,
das sich ins Herz der Farben schleicht.

Die Menschen flüchten in die Räume,
wenn Sturmwind um die Häuser braust.
Mit kalter Hand
greift er ins Blattgerüst der Bäume,
das Laubwerk fällt,
als er die roten Kronen zaust.

Der Sommer hat den Ruf vernommen,
macht seine müden Augen zu.
Er lässt jetzt los.
Auch seine Zeit wird wiederkommen,
wie jedes Jahr.
Dann legt er sich zur Winterruh.

Schneeflocke

Eine weiße Flocke fliegt,
noch vom Frühling unbesiegt,
flauschig durch die kalte Welt,
ganz auf sich allein gestellt.

Als die Sonne erstmals schaut,
ist die Flocke aufgetaut,
wird im warmen Frühlingsföhn,
tropfenregenbogenschön,

bis sie im Dezemberlicht,
aus der nassen Hülle bricht,
weiß gewandet, süß verflaust,
wieder durch den Winter saust.

Schritte

Du hast deine Schritte im Sand,
fein säuberlich in den Schnee kopiert,
mich an deiner liebenden Hand,
getreulich durch dieses Jahr geführt.

Wir gingen durch raschelndes Laub,
der Wind hat leis unsern Schritt verweht,
im Frühling, da lieben wir taub,
weil unser Fuß in den Blüten steht.

Die Liebe ist grundloser Schritt,
ein wogender Gang durch das Leben,
Du hältst mich und ich halte mit,
bis wir in die Ewigkeit schweben.

Frühling reziprok

Im Frühling packt mich kalt das Grausen,
er ist so kühl und wechselhaft,
obwohl poetisch oft Naturbanausen
ihn loben, weil er neues Leben schafft.

Ein wirres Bunt verwirrt die Sinne,
zerstört die weiße Winterpracht,
macht boshaft geil, und flach die schönste Minne,
weil uns im Leib der blinde Trieb erwacht.

Es zwitschern Vögel wie die Blöden,
dass man nicht lange schlafen kann,
aus Chlorophyll geschöpfte grüne Öden,
ziehn Weichgespülte in den Zauberbann.

Die Welt erstickt im Meer von Blüten,
die Knospen reißen auf ihr Maul,
im Garten packt den Mann ein wildes Wüten,
gleich einem hoch gedopten Ackergaul.

Es treibt das Weib zur Pediküre,
das Haar wird albern neu frisiert,
der Fuß vertäut in sündhaft teure Schnüre,
als sei er plötzlich zum Paket mutiert.

Der Lenz hat viel zu viele Reize,
sie gleich zu preisen ist ein Fluch,
weshalb ich auch mit Komplimenten geize,
am stärksten spür ich ihn im Widerspruch.

Letzte Bänder

Der fahle Mond nährt sorgsam kahle Zweige
mit seinem nüchtern kalten Spiegellicht,
des Sommers Leuchten geht zur letzten Neige,
wenn kühler Wind die späte Wärme bricht.

Das nasse Blattwerk treibt verspielt im Regen,
von müden Bäumen, die ins Rot sich färben,
ich will mich jetzt noch nicht zur Ruhe legen,
in einer Herbstnacht möchte ich nicht sterben.

Es fällt der weiche Schnee aus Wolkentürmen,
die nackte Erde färbt sich sittsam weiß,
schon bald, inmitten von Dezemberstürmen,
schließt sich auf stillem See ein Hauch von Eis.

Umspielt vom Silberschein der sanften Flocken,
entspringt am Fuß der schwer behängten Weiden,
ein erstes zartes Grün von Osterglocken,
im Winterschlaf der Welt will ich nicht scheiden.

Im März verzaubern fröhlich neue Triebe,
die Welt mit ihrem bunten Farbenspiel,
in Knospen lockt ein Glaube an die Liebe,
die jüngst dem harten Frost zum Opfer fiel.

Ein Hoffnungsfunke spricht aus jungen Blüten,
wenn sie, sich öffnend, in den Sommer weisen,
mein Herz geht auf in diesem satten Brüten,
im Frühling möchte ich nicht heimwärts reisen.

Hell strahlt das Licht aus üppig gelben Feldern,
sein Zauber füllt die Welt mit praller Lust,
ein tiefer Tannenduft aus grünen Wäldern
erfüllt mit Kraft und Hoffnung meine Brust.

Erst wenn zuletzt die schönen Tage weichen,
und wir von fern des Malers Leinwand sehen,
wenn Herbst und Sommer sich die Hände reichen,
bin ich bereit, den letzten Weg zu gehen.

Doch kommt das Ende nicht nach dem Kalender,
auch weiß er nicht, wann Du berufen bist.
Drum leb ich so, dass meine letzten Bänder
sich lösen, wenn in mir ein Sommer ist…

Hoffnung

Die Sonne schwamm im Ozean,
und über ihr ein Regenbogen,
bestrahlte hell die Meereswogen,
zog uns beim Fischen in den Bann.

Der Regen kam vom Norden her
den wir, schon fast verdorrt, begrüßten
und schuf in uns aus kahlen Wüsten
ein herbstlich buntes Blumenmeer.

Hart blies der Wind und spielte Haschen
mit unsern streng frisierten Haaren,
in denen wir gefangen waren,
und kalte Gischt kam sie uns waschen.

Es fiel der Schnee, der leise schneit
auf alte und auf neue Wunden,
hat sie hauchzart und weich verbunden,
damit sie heilen in der Zeit.

Und eine neue Sonne steigt,
geboren aus dem Ozean,
zieht uns im Herzen ihre Bahn,
auf der sie uns die Hoffnung zeigt.

© 2017 Terrabella

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