Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Tag: Trauer

Ich geh

Komm her!
Ich floh in deine Arme,
von Angst um dich und mich beseelt,
doch statt des Heißen hat das Warme,
in diesem Augenblick gefehlt.

Bin da!
Ich nahm von deinen Gaben,
lag still und koste deine Brust,
doch wollte ich mehr Liebe haben,
statt hergeschenkter Lust.

Ich geh,
und wein um gute Zeiten,
sie waren mein wohl größtes Glück,
ein Stück will ich dich noch begleiten,
dann lass ich dich zurück…

Wo sie liegen soll

Wo sie jetzt liegen soll,
da liegt sie nicht,
wo sie jetzt sein soll, klafft ein Loch.
Ein Nichts bricht aus,
mit kalter Leere voll,
schluckt alles warme Licht.

Doch hier im leeren Haus,
da spüre ich ihr Dasein noch.

Wo sie jetzt liegen soll,
da liegt sie doch,
wo sie jetzt sein soll, ist ihr Ort.
Mein Herz läuft aus,
doch ist mit Liebe voll –
und schlägt trotz Schmerzen noch.

Sie ist nur aus dem Haus,
und nicht aus meiner Mitte fort…

Tatenlos

Hab einen Mund zum Sagen,
zwei Augen um zu sehn,
schwieg ohne Kraft an vielen Tagen,
ließ reiche Zeit wie blind verwehn.

Hab Ohren um zu lauschen,
zwei Füße, um zu gehn,
statt deiner hörte ich ein Rauschen,
blieb stumm in Angst gefangen stehn.

Zu spät mein Herz zum Lieben,
die Lippen, um zu flehn,
sah unser Glück ins Nichts zerstieben,
ließ alles tatenlos geschehn.

Mehrstromland

Ein Samtgeflecht von weichen Grannen
ummoost dein Tal der Fruchtbarkeit,
durch das einst warme Bäche rannen,
wie Tränen der Glückseligkeit.

Ich wollte mich auf ewig laben,
in deinem wilden Mehrstromland,
mich tief ins süße Früchtfleisch graben,
das ich so satt und saftig fand.

Mir war das Schicksal nicht gesonnen,
der Herbst kam schnell und gnadenlos,
zwang mich zum Abschied aus den Wonnen
in deinem zarten Sehnsuchtsschoß.

Ich denk noch oft an deine Früchte
die ich noch voller Pracht verließ,
spür traurig, wie ich seufzend flüchte,
im Traum zurück ins Paradies.

Kann nicht verstehen

Dich nicht zu sehn
schnürt meine Kehle
dich nicht mehr spürn,
quält meine Seele,
dich nicht mehr hörn
reißt mich entzwei.

Dich nicht zu küssen,
lässt mich fast weinen,
und dich vermissen,
will mich verneinen,
nie mehr dich halten,
macht’s Herz zu Blei.

Dir Lebewohl zu sagen,
lässt mich fast sterben,
uns nicht zu wagen,
scheint mein Verderben,
und dich vergessen,
macht mich nicht frei.

So sage ich
in diesen Zeilen,
ich liebe Dich,
doch kann nicht weilen,
kann kaum verstehn ,
dass es so sei…

Herzfeuer

Wenn Dein Herz in Flammen steht
und brennt wie wenn die Welt vergeht,
dann ist dem Herz Dein Tränenfließen
wie es mit Öl zu übergießen.

Wenn Du es früh im Keim erstickst                       
kaum dass sein Lodern zu erblickst, 
dann bleibt es in Dir ewiglich,
als schmerzend heißer Flammenstich.

Drum lass es brennen voller Kraft,                          
verzehrend, heiß, voll Leidenschaft,                           
zuletzt bleibt dir in warmer Glut,                                   
ein kleines Licht voll Lebensmut.

Gegangen

Oft merkt man erst, wie man vermisst,
wenn jemand fortgegangen ist,
der Dir, statt dass er Glück verheißt,
ein Loch in Deine Seele reißt…

Dann wünschst Du sehnlich, dieses Glück,
es käm’ alsbald zu Dir zurück,
um dieses Loch gesundzuheilen,
und Dir im Herzen zu verweilen.

Doch zwingt der Schmerz Dich einzusehen,
dass manche gleich für immer gehen,
hast Du sie dumm und unbedacht,
um ihren Mut zu Dir gebracht.

Du kannst nun voller Inbrunst flehen,
sie mögen nicht auf ewig gehen,
doch traurig wird Dir manchmal klar,
dass es wohl doch für immer war…

Zu lang

Zu lang plagt nagend mich die bange Frage,
sind mir zuletzt noch Tage voller Farben
vergönnt, statt taub und blind dahinzudarben –
und macht, dass ich fast tatenlos verzage.

Mich quält, ob ich nicht nur Gespenster jage,
und dass wohl alle mir bestimmten Gaben,
am Schluss nur einen vagen Nutzen haben,
für den ich mich im Grabesschatten plage.

Will fast dem Bannstrahl dieser Furcht ergeben,
mich ganz der grausam schwarzen Vornacht fügen,
da ruft mit Macht ein lang verkanntes Streben.

Ich lass mich nicht von falscher Angst betrügen,
um das mir eigentlich bestimmte Leben,
straf kühn das Nichts durch meine Taten Lügen.

Fort…

Nun bist Du fort
ohne ein Wort,
hast auf Deinen leisen Sohlen
Dich heimlich einfach fortgestohlen.
Was warf Dich so aus unsrer Bahn,
was habe ich Dir angetan?
Haben wir genug geredet,
oder uns nur angeödet,
und hab ich einfach nicht gespürt
wohin Dein Weg Dich heute führt?

Sag – ist da ein andrer Mann,
der Dich mehr entflammen kann,
oder hast Du mich so satt,
dass leichtes Spiel der Fremde hat?
Warum hast Du mir nichts gesagt,
warum nur hab ich nicht gefragt,
was Du so schwer und traurig fandest,
als Du so schweigsam vor mir standest?

Warum nur bist Du so erkaltet,
hab ich doch alles schön gestaltet,
habe stets an allen Tagen,
auf meinen Händen Dich getragen,
bin immer aufmerksam gewesen,
hab jeden Wunsch Dir abgelesen,
von Deinen Augen, die stets schauten,
als wenn sie ewig auf uns bauten,
die jetzt nach neuen Ufern sehen,
sag was ist nur mit uns geschehen?

Ich bitte Dich, komm doch zurück,
zu schön war unser kurzes Glück,
wir haben uns soviel zu geben,
noch soviel vor uns zu erleben,
mein Herz, ich fleh und bitte Dich,
sei wieder mein, ich liebe Dich…

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