Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Tag: Leben (page 1 of 2)

Mensch!

Mensch, nimm dich doch nicht so wichtig,
denn Du bist in dieser Welt
nur ein Wurm und ziemlich nichtig,
auch wenn dir das nicht gefällt.

Halte dich nicht für die Krone
dieser Schöpfung, denn Du bist
nur ein schwaches Licht das ohne
die Natur verloren ist.

Füge dich in dieses Denken,
ihm zum Ausgleich bist Du frei,
lern dein Leben achtsam lenken,
ist es doch so schnell vorbei.

Tango

Was macht das Leben lebenswert,
Was lässt es uns besingen?
Was macht es leicht und was beschwert,
Was macht es Tanz, was macht es Ringen.

Lernst Du das Leben endlich ganz
Verstehen und durchdringen,
Siehst Du, das Ringen ist auch Tanz,
Und jeder Tanz ist auch ein Ringen.

Nie mehr

Nun keimt in mir, was ich schon lange heimlich spüre,
von dem ich niemals glaubte, dass es wirklich lebt.
Doch ist so stark, was durch dein Dasein aus mir strebt,
dass ich mein Leben seither lächelnd anders führe.

Du kamst in jener Nacht und tratst durch meine Türe,
Ich war beseelt, von deiner Schönheit ganz durchwebt.
Nun fühl ich, wie mein Herz erschüttert ist und bebt,
Wenn ich dein ganzes Du mit meinem Ich berühre.

Ich weiß genau, dass in den achtzig Jahren Leben
Das Glück oft kommt und wieder mit dem Wind verweht,
Dass all die schönen Dinge viel zu schnell entschweben,

Wenn man durch Angst entmutigt vor dem Wunder steht.
Drum glaube mir, ich kann und will dir alles geben
Damit die Liebe zwischen uns nie mehr vergeht.

Briefe

Ich habe tief in mir gegraben,
trieb einen Tunnel in mein Sein,
als wollte ich Gewissheit haben,
ich bin in mir nicht ganz allein.

Ich traf im Dunkel meiner Tiefe,
ein Licht, vor dem ich stehen blieb,
vor ihm da lagen all die Briefe
die ich einst an mein Schicksal schrieb.

kurz und echt

Die Zeit verrinnt, ich komm nicht mit,
ich fühl mich unzuhaus,
und halte ich mal mit ihr Schritt
geht mir die Puste aus.

Die Erde dreht sich zu geschwind.
Der Schwung der Rotation
reißt mich zum Grund, der harte Wind
bedroht mich kakophon.

Ist das mein Schicksal bis in Grab?
Bin nicht dazu bereit.
Ich stecke einen Eichenstab
ins Speichenwerk der Zeit.

Die Achse knirscht, die Welt steht still,
das alte Sein zerbricht.
Der Mensch fällt aus dem Scheinidyll
ins Nichts und strebt zum Licht.

Die Nabe birst, der Boden bebt,
mein schöner Traum zerfällt,
doch lieber kurz und echt gelebt,
statt lange und verstellt.

Letzter Vorhang

Irgendwann wird der Chirurg
Deines Lebens Dramaturg.
Auch der Arzt für kranke Herzen,
wird mit dem für Rückenschmerzen,
mit den Jahren immer schneller,
vom Statist zum Hauptdarsteller.
Bald steht Deine Maske schon
auf der Intensivstation.

Mehr Gewicht und Dioptrien,
hart der Stuhl, trüb der Urin,
Zipperlein und müde Glieder,
schlechter Schlaf, trotz schwerer Lider,
Altersflecken, Anus-Schrunden
stehn im Drehbuch deiner Stunden,
und der Tod, fait accompli,
übernimmt des Stücks Regie.

Spiel noch mal, wie nie vorher,
spiel, wie später niemals mehr.
Tobe, wüte auf der Bühne,
gib ein Stück von Schuld und Sühne,
hab den Mut für das Obszöne,
zeige deine leisen Töne,
sei pompös, sei fulminant,
bloß kein Schmierenkomödiant.

Zeig dein ganzes Repertoire,
stell den Tod als Narren dar,
spiel noch einmal um dein Leben,
lass das Publikum erbeben,
lass es lachen, lass es weinen,
lass es krachen, lass dich scheinen,
sei noch mal der große Held,
bis der letzte Vorhang fällt.

Ziellos

Was Du kannst, das willst Du nicht,
was Du willst, das kannst Du nicht.
Was Du musst, soll ganz allein
Inhalt Deines Lebens sein.

Was Du suchst, das kriegst Du nicht,
was Du kriegst, das suchst Du nicht.
All die Dinge, die Du hast,
sind statt Freude, Dir nur Last.

Was Du liebst, das mag Dich nicht,
was Dich mag, das liebst Du nicht,
bis Du Dir ganz sicher bist,
dass Dein Glück unmöglich ist.

Sterben willst Du jetzt noch nicht,
Leben kannst Du scheinbar nicht.
Ziellos fährt Dein Lebensboot,
denn des Käptns Herz ist tot.

was man denkt…

Ist es nicht ungerecht,
letztlich sterben zu müssen,
als sei uns das Leben geliehen,
statt vom gnädigen Himmel geschenkt?

Ist es ausschließlich schlecht,
um das Ende zu wissen,
sich immer darauf zu beziehen,
gleich wohin man die Schritte auch lenkt?

Sind dem Tod wir ein Knecht,
aus dem Dasein gerissen,
geprellt um den Lohn unsrer Mühen,
wenn das Blatt seiner Sense uns henkt?

Sind die Träume nur echt,
unser Leben ein Kissen,
mit Nadeln gespickt, deren Glühen
uns quält, bis der Vorhang sich senkt?

Kommt drauf an, was man denkt…

Haben oder Sein

Fragst Du nach Haben, oder Sein,
als meinem Ziel auf Erden,
schau ich ganz still in mich hinein
und lächle leise: „Werden!“

Crossroads (engl.)

When life will lead me to a place,
where many roads collide,
where crossroads form a frightning maze,
I must not still abide.

Some roads seem easy, others tough
which one is the right?
Which path is risky, which is rough,
how can I decide?

Shall I trust the easy way,
which may cost my strength.
Will there be a price to pay,
for its shorter length?

Shall I dare the harder way,
which will keep me strong.
May I risk another day,
cause it is so long?

As I stand here in my fears,
hoping for a light,
a helpful sound within my ears,
to guide me through the night,

I take a look across the land,
as clearness strikes my mind.
I have to go and must not stand
if I want to find…

Paternoster

Im Paternoster meines Lebens,
vom Grund zum Ziel, vom Ziel zum Grund
bin ich gereist,
Kaskaden von Gedanken sind vergebens,
auf seinem Zahnrad Stund um Stund,
wie blind nur um sich selbst gekreist.

Selbst schnöder Milchkaffee am Morgen,
schmeckt beim Erwachen der Natur,
nach Nektar fein,
mein Schicksal ist im Satz verborgen,
ist Licht auf einer Sonnenuhr,
das Schatten wirft, um ganz zu sein.

Im Auf und Ab hör ich die Stimme,
sie schwört aufs Eigentlichste ein,
spricht aus dem Wind,
und will, dass ich mein Selbst erklimme,
statt mich der Flucht ins Man zu weihn,
wo Geister so verlockend sind.

Späte Reue

Frustriert und meine Altersängste hegend,
seh ich die Zukunft schwarz am Firmament,
die Stirn in sorgenvolle Falten legend,
fühl ich mich sonderbar ambivalent.

Durchs Brennglas schau ich auf vertane Tage,
die früher Grundstoff für die Zukunft sind,
der ich verächtlich meinen Dienst versage,
weil ich den Ausblick so ernüchternd find.

So hock ich hier und grüße schmerzvoll jenen,
der ich vor Jahren hab zu sein versäumt,
will mich zurück in alte Zeiten sehnen,
in denen sich mein Schicksal anders träumt.

Ach Scheiße, wenn man in der Jugend wüsste
aus welchem Samen welche Frucht entspringt,
dann sparte man die Hatz auf schnelle Lüste,
weil die im Alter selten Wohlstand bringt.

Doch frag ich mich, als meines Glücks Stratege:
Was bringt dem Menschen früher Lustverzicht?
Fürs schöner Sterben fehlen die Belege;
sogleich erscheint mein Tun in neuem Licht.

In jungen Jahren heißt das Leben Fliegen
doch ist es oft ein ungedeckter Scheck,
lässt man sich allerdings von Furcht verbiegen,
ist für den Reichtum alle Freude weg.

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