Archiv für die Kategorie 'Kritisches'

Facebook

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Facebook macht die Erde bunter,
weil ein jeder jeden kennt,
jeder lässt die Hosen runter,
alle werden transparent.

Von den Chefs bis zu den Fräsern,
alle geben alles preis,
Partner, Freunde – alle gläsern,
hoch vom Teen zum Tattergreis.

Wir sind alle groß und prächtig
in der virtuellen Welt,
jeder Zwerg ist stark und mächtig,
jeder Feigling ist ein Held.

Bits und Bytes sind Haut und Knochen,
jeder wird zum Avatar.
Fleisch und Blut? Des Herzens Pochen?
Seele? Plugin! (downloadbar).

Facebook macht uns alle toller,
schön und intellektuell,
attraktiver, würdevoller,
jede Funzel leuchtet hell.

Ach was wär die Erde öder
ohne Facebooks schönen Schein,
kaum etwas ist wirklich blöder
als real im Wald zu sein.

Alle twittern, alle chatten,
jeder pflegt sein Kunstprofil
Heiße Liebe in den Betten?
Sex? Das gibt’s im Onlinespiel.

Keiner hat mehr echte Freunde,
nur per E-Mail spricht das Paar.
Für die WWW-Gemeinde
hält der Papst ein Webinar.

Heute bin ich einmal mutig,
heute geh ich vor die Tür;
doch kaum draußen – alles blutig:
Ich bin viel zu blöd dafür.

Flugs hinein, der Rechner wartet,
schnell zu Maus und Tastatur
draußen ist wie Welt entartet,
widerlich ist die Natur.

Nur die Onlinewelt ist ehrlich,
nur die Matrix ist real,
wild bedrohlich, brandgefährlich,
ist die Welt ein Jammertal.

Facebook kann allein uns geben,
machen wir uns da nichts vor,
Liebe, Freundschaft, wahres Leben,
Spaß und Glück am Monitor.

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Hurenwelt

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Huren schenken keine Liebe,
ihre Küsse kosten Geld.
All die großen Bankbetriebe
ähneln einer Hurenwelt.

Keinen Cent für gute Taten,
nur das Böse wird belohnt,
weil die Gier nach Golddukaten
über allem andern thront.

Priester segnen Feldhaubitzen,
Banker zahlen für den Krieg,
wenn sie in der Kirche sitzen
sterben andre für den Sieg.´

Frömmeln, beten, gierig raffen,
grinsend voller Hinterlist,
Frieden schaffen mit mehr Waffen,
bis die Welt zuschanden ist.

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Vergesslich

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Gott erschuf aus großer Leere,
eine Welt voll schöner Sachen,
grüner Wälder, blauer Meere,
um sein Abbild satt zu machen.

Doch vergaß er wohl beim Schöpfen,
all die Leere in den Köpfen…

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Irgend…

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Irgendwer schlägt immer Frau und Kinder.
Irgendwer klaut immer fremder Leute Geld.
Irgendwer lebt stets als übler Menschenschinder.
Irgendwer führt immer Krieg auf dieser Welt.

Irgendwo stirbt immer wer am Mangel.,
Irgendwo bricht immer eine Seuche aus.
Irgendwo hängt stets ein Schuldner an der Angel.
Irgendwo stürmt immer die Armee ein Haus.

Irgendwann trägt jeder Bürger Waffen.
Irgendwann kommt jede Bombe durch den Zoll.
Irgendwann hab ich vom rücksichtslosen Raffen,
dem Töten und dem Leid die Schnauze voll.

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Alltag

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Der Alltag liegt wie Blei in meinem Schuhregal.
Der knitterfreie Anzug schaukelt stumm
am Galgenbügel. Wie ein enges Futteral,
zwingt mich mein Leichenhemd ins Vakuum.

Der Strick um meinen Hals raubt mir die Luft.
So fahr ich, Brust und Bauch voll Erzgestein,
mit andern Todgeweihten in die Gruft,
im Trauerzug – zum letzten Stelldichein.

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Abschiedsbrief

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Mutter,
wo hast Du mich unter Schmerzen hingeboren,
in welche Vorhofhölle, welches Land der Qual,
warum hast Du mich in dies Nichts im Nichts verloren,
in dieses Dasein abseits jeglicher Moral?

Mutter,
hast Du wirklich nichts geahnt von diesen Kriegen,
von dieser Mordlust, die uns wütend überstürmt,
von Menschlichkeit, die sich verneint in schalen Siegen,
und sich entfremdet in den Leichenhaufen türmt.

Mutter,
zitternd krampfe ich mit Wiederkinderhänden
den letzten Brief auf einen feuchten Rest Papier,
hab auch für dich gekämpft in diesem Blutverschwenden,
Du warst mein Anfang, doch am Ende fehlst Du mir.

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Solidarität

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Letztens fiel, beflissen mauernd,
Fritz der Maurer hoch vom Haus,
unten räumt, fast schon bedauernd,
Stefan dessen Hosen aus.

Manni singt nach Leibeskräften,
mimt im Kirchenchor den Pfau,
doch hausiert mit seinen Säften
oft und gern bei Fritzes Frau.

Nachts rammt Willi sturzbetrunken,
Fritzes neuen PKW,
flüchtet ohne einen Funken
Reue mit dem Sportcoupe.

Paul, (Abteilung für Kredite),
kündigt Fritzes Hypothek,
leiht ihm stolz die erste Miete,
sieht’s als echtes Privileg.

Alle stehn im Krankenzimmer,
tröstend, doch voll Hinterlist,
und beschwören, das schon immer
Männerfreundschaft wichtig ist.

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Klischee

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Diese stete Selbstkontrolle,
dieser Hang zur sturen Pflicht,
dieses sprachlich Salbungsvolle,
dieses Streben hoch zum Licht,

dieser Spaß am Aufmarschieren,
diese harte Akribie,
diese Lust am Füsilieren,
dieses Lob der Infantrie,

diese Last am faustisch Schweren,
dieser völkisch blinde Stolz,
diese Pflicht zum Tellerleeren,
dieses Glück in Eichenholz,

dieser Mut zum tiefen Denken,
diese Pracht im Dichterwort,
dieser Drang zum Weltenlenken,
dieser Fluch im Völkermord,

diese Neugier auf das Fremde,
diese Angst vor ebendem,
dieser frische Schweiß im Hemde,
dies Zerreden beim Problem,

dies Vermassen in Tumulten,
diese Freude am Verein,
dies Dozieren von den Pulten -
„deutsch“ heißt ein Klischee zu sein…

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verschollen

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So manchmal machen Worte, was sie wollen
ganz gleich, welch Sinn ich sorgsam in sie leg.
Mir scheint, ihr Sinn ist oftmals schon verschollen,
kaum sind sie ausgesprochen auf dem Weg.

Was ich auch sag, man scheint zuerst zu hören,
nur was genehm und nicht zu schwierig klingt,
Kritik scheint manche derart zu empören,
dass nie ein Ton in ihre Seele dringt.

Man nickt und hat kaum später schon vergessen,
was ich gesagt hab, oder was gemeint,
schaut irritiert und kann wohl kaum ermessen,
wie sehr ich leide, wenn man mich verneint.

Drum schweig ich künftig wie ein Grab und schmolle,
den Buckel krumm, lad ich zum Rutschen ein,
hab ich zu meckern, muss es wohl die volle
verbale Ladung auf dem Schriftweg ein.

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unermesslich

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So viel an Menschen lässt sich messen:
was sie vertrinken, was sie essen,
wir groß der Wuchs, wieviel sie wiegen,
wie schnell der Lauf, wie hoch sie fliegen -
doch eines geht bestimmt daneben:
das Maß der Dummheit anzugeben,
weil die, das weiß der Realist,
bei vielen unermesslich ist…

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Pfeifen

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Meistens möchte eine Pfeife
lieber erste Geige sein,
schüchtert vorlaut mit Gekeife
mächtige Posaunen ein.

Lehrt die Pfeife Flötenklänge,
Blast ihr gründlich einen Marsch,
kündigt ihr die Lobgesänge,
denn ihr Pfiff ist für den A….

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Dichters Gardinenpredigt

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Ich sollte schweigen, jedoch möchte ich betonen,
bei aller Ehrfurcht vor der eitlen Künstlerschar,
dass sich nicht alle scheinbar schönen Reime lohnen,
wenn dir dein Rhythmus einen schiefen Klang gebar.

Nun kannst Du meckern, fluchen, lauthals lamentieren,
die Kunst sei frei, und jeder Künstler schöpfernah,
im Dreieck springen, flehen, hadern, explodieren,
weil ich dein Werk aus guten Gründen kritisch sah.

Glaubst Du, der Schöpfer hätte diese eine Erde,
mal eben hingerotzt, so wie Du dein Gedicht -
auf das sie provisorisch halbwegs fertig werde,

im Funzelschein, statt hell im warmen Sonnenlicht -
und hätt auf eine dies bezügliche Beschwerde,
geheult, so schlecht sei doch das Kunstwerk nicht?

Ich glaube kaum, er wäre so extrem vermessen,
sich selbst zu loben, wenn sein Werk ein Fehlschlag wär,
vermutlich ist er nicht auf falsches Lob versessen,
benähm sich nicht so fachlich stur und voll konträr.

Jetzt gib dir einen Ruck, hör endlich auf zu schmollen,
dass Kunst von Können kommt, ist wirklich keine Mär,
nicht oft liegt’s am Talent, weit häufiger am Wollen,
wohl deshalb quält der Durchschnitt höchst inflationär.

Doch ist es mit der Welt, wie wohl auch den Gedichten,
rein vom Prinzip sind Erde und auch Lyrik toll,
nicht Gott, der Mensch, vermag das Schöne zu vernichten,

drum schweig und schau nicht weiter derart vorwurfsvoll.
Hör endlich auf dich nach der Masse auszurichten,
wenn dein Gedicht ein Wunder und kein Mist sein soll.

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