Archiv für die Kategorie 'Leben'

Briefe

Abgelegt unter Leben

Ich habe tief in mir gegraben,
trieb einen Tunnel in mein Sein,
als wollte ich Gewissheit haben,
ich bin in mir nicht ganz allein.

Ich traf im Dunkel meiner Tiefe,
ein Licht, vor dem ich stehen blieb,
vor ihm da lagen all die Briefe
die ich einst an mein Schicksal schrieb.

Ein Kommentar

Kein Wunder

Abgelegt unter Leben

Ich bin nicht schwierig, bin komplex,
ich bin nicht dumm, nur limitiert,
ich bin nicht dick, ich bin konvex,
ich bin nicht grau, ich bin meliert.

Ich bin nicht stur, bin konsequent
bin kein Sarkast, nur Realist,
ich bin nicht schüchtern, bin dezent,
ich bin nicht faul, nur Defätist,

kein Wunder, dass Du schlechter bist.

Ein Kommentar

kurz und echt

Abgelegt unter Leben

Die Zeit verrinnt, ich komm nicht mit,
ich fühl mich unzuhaus,
und halte ich mal mit ihr Schritt
geht mir die Puste aus.

Die Erde dreht sich zu geschwind.
Der Schwung der Rotation
reißt mich zum Grund, der harte Wind
bedroht mich kakophon.

Ist das mein Schicksal bis in Grab?
Bin nicht dazu bereit.
Ich stecke einen Eichenstab
ins Speichenwerk der Zeit.

Die Achse knirscht, die Welt steht still,
das alte Sein zerbricht.
Der Mensch fällt aus dem Scheinidyll
ins Nichts und strebt zum Licht.

Die Nabe birst, der Boden bebt,
mein schöner Traum zerfällt,
doch lieber kurz und echt gelebt,
statt lange und verstellt.

Ein Kommentar

Projektion

Abgelegt unter Leben

Als Traum im Traum voll dunkler Illusionen,
ist meine Welt ein düstres Scheingespinst,
in dem Gespenster und Dämonen wohnen,
aus der ein Teufel hinterlistig grinst.
 
Ich ringe mit den Geistern, die mich plagen,
bekämpfe meine Schwäche und die Angst.
Die Welt? Ein Sammelsurium von Tagen,
an denen Du um deine Seele bangst.
 
Die Liebe? Wahrlich keine große Waffe,
zu stark die Wut der höllenhaften Brut.
Das Leben? Eine trübe Glaskaraffe,
gefüllt mit Eiter und zersetztem Blut.
 
Doch Halt! Da blitzt ein Hoffnungsschimmer,
ein Mensch erscheint in meiner Illusion.
Ein Freund? Zu spät? Auch dieser bunte Flimmer
verflüchtigt sich - schien nichts als Projektion.

Keine Kommentare

Der Gegner

Abgelegt unter Leben

Du hast mich immer beim Laufen besiegt,
auch sprangst und warfst du viel weiter als ich.
Du hast die hübscheren Mädchen gekriegt,
im Grau deines Schattens schämte ich mich.

Stets warst Du der Typ, dem alles gelingt,
gemessen an mir, der schönere Mann.
Hab mich ans kleinere Schicksal verdingt,
ich kam gegen dich und dein Glück niemals an.

Jetzt steh ich im Herbst, bin ziemlich frustriert,
mein Leben war öd, und deins wunderbar.
Es schmerzt so sehr, wenn man immer verliert -
der Gegner ein Selbstbild, das man nie war.

Keine Kommentare

Letzter Vorhang

Abgelegt unter Leben

Irgendwann wird der Chirurg
Deines Lebens Dramaturg.
Auch der Arzt für kranke Herzen,
wird mit dem für Rückenschmerzen,
mit den Jahren immer schneller,
vom Statist zum Hauptdarsteller.
Bald steht Deine Maske schon
auf der Intensivstation.

Mehr Gewicht und Dioptrien,
hart der Stuhl, trüb der Urin,
Zipperlein und müde Glieder,
schlechter Schlaf, trotz schwerer Lider,
Altersflecken, Anus-Schrunden
stehn im Drehbuch deiner Stunden,
und der Tod, fait accompli,
übernimmt des Stücks Regie.

Spiel noch mal, wie nie vorher,
spiel, wie später niemals mehr.
Tobe, wüte auf der Bühne,
gib ein Stück von Schuld und Sühne,
hab den Mut für das Obszöne,
zeige deine leisen Töne,
sei pompös, sei fulminant,
bloß kein Schmierenkomödiant.

Zeig dein ganzes Repertoire,
stell den Tod als Narren dar,
spiel noch einmal um dein Leben,
lass das Publikum erbeben,
lass es lachen, lass es weinen,
lass es krachen, lass dich scheinen,
sei noch mal der große Held,
bis der letzte Vorhang fällt.

Keine Kommentare

Ziellos

Abgelegt unter Leben

Was Du kannst, das willst Du nicht,
was Du willst, das kannst Du nicht.
Was Du musst, soll ganz allein
Inhalt Deines Lebens sein.

Was Du suchst, das kriegst Du nicht,
was Du kriegst, das suchst Du nicht.
All die Dinge, die Du hast,
sind statt Freude, Dir nur Last.

Was Du liebst, das mag Dich nicht,
was Dich mag, das liebst Du nicht,
bis Du Dir ganz sicher bist,
dass Dein Glück unmöglich ist.

Sterben willst Du jetzt noch nicht,
Leben kannst Du scheinbar nicht.
Ziellos fährt Dein Lebensboot,
denn des Käptns Herz ist tot.

Keine Kommentare

Letzte Maniküre

Abgelegt unter Leben

Gelebtes Leben adelt deine Züge,
dein Schicksal hat sich in sie eingekerbt,
zuviel misslang, so manche schwere Lebenslüge
hat mit den Wettern deine fahle Haut gegerbt.

Du wirkst so stolz, doch auch ein wenig müde
und strahlst noch Kraft aus, die nun bald verebbt,
hast weder Zeit noch Sinn für leere Attitüde,
für dich ist dies ein lang verworfenes Konzept.

Dein sanfter Blick durchwärmt des Tages Kühle,
dein mildes Lächeln trotzt dem Zug der Zeit,
dein weißer Arm wiegt schwer am Nabel der Kanüle,
Du wirkst zufrieden und zum letzten Weg bereit.

Die Schwester naht, sie weist mir stumm die Türe.
Du kannst gewiss sein, ich bleib stets bei dir,
doch allzu bald, nach ihrer letzten Maniküre,
bezieht der Tod dein Bett, und Du bist nicht mehr hier.

Keine Kommentare

Kleine Weisheit

Abgelegt unter Leben

Nicht alles, das auf Anhieb geht,
ist ganz des Leichtsinns unverdächtig,
oft zeigt ein Schweigen sich beredt,
sind Angst und Zweifel übermächtig.

Geht alles scheinbar wie geschmiert,
nimm dir doch Zeit, es zu betrachten,
mit etwas Abstand reflektiert,
lässt sich manch böser Geist entmachten.

Beizeit ein kleiner Schritt zurück,
heißt trotzdem hin zum Ziel zu streben,
denn ohne einen klaren Blick
zielt man zwar gut, doch oft daneben.

Ein Kommentar

Himmelsspuk

Abgelegt unter Leben

„Hoffnung“ steht in großen Lettern
auf die Wolken projiziert.
Alle die sonst irdisch wettern
schauen ziemlich irritiert.

„Wohin führen Urvertrauen
und der Glaube in der Welt?
Narren sind’s, die darauf bauen!
Was ein Quatsch am Himmelszelt!“

So stehn sie mit hochgereckten
Köpfen und schaun trotzig drein,
denn die Welt, wie sie entdeckten,
schien zu wahr, um schön zu sein.

„Niemals ist die Zukunft offen!
Ob das Leben glücklich stimmt?
So ein Mist! Wir wollen hoffen,
dass der Spuk sein Ende nimmt!“

Keine Kommentare

Suchen

Abgelegt unter Leben

Mancher sucht den Sinn des Lebens
Zeit desselben ganz vergebens,
bis in ihm die Einsicht siegt,
dass sein Sinn im Suchen liegt.

Keine Kommentare

Ende eines Lebemannnes

Abgelegt unter Leben

Ich sah in den Spiegel, fast kindlich erstaunt,
das Alter wog schwer in jetzt müderen Zügen,
in mir eine Stimme hat leise geraunt,
Du konntest die Frau, doch den Tod nicht betrügen.

Ich nahm ihre Herzen, sie hielten mich jung,
mein Preis für die Jugend, ein Raubbau an Kräften,
erst Sehnsucht… dann Leere… Verbitterung,
bei langsam versiegenden männlichen Säften.

Mein Antlitz entzaubert, ich zählte sie stumm,
die Schneisen und Furchen, die Priele und Falten,
in meinem Gesicht und ich fragte warum
gelang es mir nicht, deine Liebe zu halten.

Ich floh durch mein Leben, des Ende bald naht,
ich stählte mein Ego und stahl von den Frauen,
doch hätt’ ich nur einmal mein Sehnen bejaht,
ich müsste nicht wütend den Spiegel zerhauen.

So steh ich in Splittern, entgeistert, verwirrt,
erkenne mich selbst in zerborstenen Scherben,
vom Teufel gehetzt durch mein Leben geirrt,
von Lüsten entstellt, muss ich einsam nun sterben.

Keine Kommentare

1. von 41234»