Archiv für die Kategorie 'Liebe'

Chaos, Sonne

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Du bist das Chaos, aber auch die Sonne.
Du bist die Wirrnis, aber auch ein Ziel.
Ich bin der schwere Denker in der Tonne
Ich bin der Kopf mit Angst vor dem Gefühl.

Wir hatten wirklich sehr besondre Tage
gemischt mit Zweifeln, aber wunderschön,
wär’s sehr vermessen, wenn ich frage,
ob wir uns mal auf einen Kaffee sehn?

Ich habe seinerzeit zuviel geschwiegen
hab stets gedacht, wenn Du mich nicht befragst,

wenn wir so warm in unsern Kissen liegen,
dann, weil Du dir aus Angst ein Mehr versagst,

von dem Du glaubst, es würde dich verbiegen,
obwohl Du sonst doch nur Gespenster jagst.

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Zyklus (Abschied und Wiederkehr)

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Abschied

Die Häuser tragen heute keine Farben.
Ihr Antlitz fließt, verschwimmt mit dem Asphalt.
Sie tragen Trauer. Mauern starr und kalt,
Die Gärten nackt, als wenn sie jüngst verbarben,

so liegt die Straße mit den Pfützennarben
wie tot – ein kaum belebter Sachverhalt.
Nur eine fest vermummte Scheingestalt
durchstreift die warmen Schatten, die verstarben,

als Du mich küsstest und mir noch im Gehen
ein Lächeln schenktest, dass mich schmerzend traf.
Ich war gelähmt, hing mit der Tür im Rahmen,

und ließ, was war, wie fremd mit mir geschehen,
bis mir in diesem trauerschweren Schlaf,
in einem Akt der Kraft die Tränen kamen.

Wiederkehr

Die Häuser schmücken kunterbunte Fahnen.
Ihr Antlitz strahlt, wie lüstern lacht die Stadt.
Die Bäume grünen, Gärten leuchten satt.
Die Luft schmeckt süß und marzipanen,

Im Licht der Sonne glänzen cellophanen
die letzten Pfützen. Menschen gehen matt
doch fröhlich Ihren Werken nach. Es hat
der Tag ein flüsterleises Dich erahnen,

Das ich kaum greifen kann. Ein tiefes Sehnen
Erfüllt mein Herz mit Lust und geisterhaft
mit Freude, dich zu sehn. In meinen Fasern,

wie auch im wirren Flechtwerk meiner Venen,
verweht der Schmerz und eine frische Kraft
will meine Haut mit deiner Liebe masern.

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Nie mehr

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Nun keimt in mir, was ich schon lange heimlich spüre,
von dem ich niemals glaubte, dass es wirklich lebt.
Doch ist so stark, was durch dein Dasein aus mir strebt,
dass ich mein Leben seither lächelnd anders führe.

Du kamst in jener Nacht und tratst durch meine Türe,
Ich war beseelt, von deiner Schönheit ganz durchwebt.
Nun fühl ich, wie mein Herz erschüttert ist und bebt,
Wenn ich dein ganzes Du mit meinem Ich berühre.

Ich weiß genau, dass in den achtzig Jahren Leben
Das Glück oft kommt und wieder mit dem Wind verweht,
Dass all die schönen Dinge viel zu schnell entschweben,

Wenn man durch Angst entmutigt vor dem Wunder steht.
Drum glaube mir, ich kann und will dir alles geben
Damit die Liebe zwischen uns nie mehr vergeht.

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Dein Blick, der mir vertraut

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Der Morgen graut.
Mit meinem ersten Wimpernschlagen
Spür ich dich warm in meinem Bauch.

Mein Herz schlägt laut,
Pocht oben hoch bis mir zum Kragen,
Und weiter unten pocht es auch.

Auf meiner Haut
Bestreicht mich voller Wohlbehagen
Der Duft in deinem Atemhauch.

Und was ich brauch,
Um mich durch meinen Tag zu tragen,
Ist nur dein Blick, der mir vertraut.

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Magellan

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Dein Haar liegt schwarz in einem Meer von Kissen
Es treibt im gleißend hellen Ozean.
Mich ruft die See, ich will die Klüver hissen,
Beseelt wie ein verwirrter Magellan.

Wohlan! ich steige in die vollen Segel,
Lass warmen Wind um meine Nase wehn,
Mein Kurs folgt keiner festgelegten Regel,
Will nur am Ziel in deine Augen sehn.

„Wo bleibst Du?“, höre ich die Wellen säuseln,
Dein Name schreibt sich sanft ins Himmelblau,
Ich seh dein Bild in Laken, die sich kräuseln,
Wenn ich betört ins Weiß der Wellen schau.

Da wachst Du auf und lächelst warm verschlafen.
Du lädst mich ein: “Komm her, ich bin dein Hafen!”

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Sehnsucht

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Sehnsucht…
Und die Zeit verrinnt
Wie Harz an seinem Baum.
Und wenn wir dann zusammen sind,
Verfliegt sie wie im Traum.

Ach könnte ich die Regel drehn,
Die traurig ich beklag,
Dann wär die Zeit, bis wir uns sehn,
Ein schöner Wimpernschlag.

Und jede Stunde unsrer Zeit,
Die zärtlich uns betört,
Sie dehnt sich in die Ewigkeit
Bis uns die Welt gehört.

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Ikarus

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Noch nie hab ich so was gefühlt,
ich war mir selbst darin so fremd,
noch nie war ich so aufgewühlt,
so stumm, so schüchtern, so gehemmt.

Womöglich war es nur ein Kuss,
bei Nachtmusik und Kerzenlicht
der wirklich nichts bedeuten muss
das frag ich mich und weiß es nicht.

Was gestern war, ist heut vorbei.
Und was geschah, war nur ein Traum?
Bin ich jetzt einsam oder frei?
Vielleicht in einem Zwischenraum?

Hat diese Nacht denn einen Sinn,
den ich allein ergründen muss?
Liegt mehr als schöner Schein darin?
Wohl kaum. Es war doch nur ein Kuss.

Und ich? Ich war dein Ikarus…

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Im Flug

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Dein Kuss hat mich im Flug erreicht,
ich spür ihn süß auf meiner Haut,
er ist so zart, so luftig leicht,
hat meinen Panzer aufgetaut.

Ich fühle ihn als sanften Hauch,
der über meine Poren streicht,
mir auf dem Mund, der Brust, dem Bauch,
dem Flügelschlag der Feen gleicht.

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Im Hafen

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Ich schaffe mich an dir,
an deiner Haut will ich mich häuten,
und suche ich ein Schlafquartier,
erhört dein Herz mein stummes Läuten.

Auf deiner Netzhaut will
ich sanft in deinen Tränen treiben,
in deine Tiefe tauchen, still
dir Verse in die Seele schreiben,

Du bist mein Nachtgewand,
spielt warm der Wind in deinen Falten,
dann ist’s, als streichelt deine Hand
mein Sein in tausend Urgestalten.

Im Hafen deiner Stadt,
lass ich den letzten Anker fallen,
dein Licht macht meine Augen satt,
mein Schmerz kann leis in dir verhallen.

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Silberschatten

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Du schälst dich leuchtend aus den fern gemalten Silberschatten,
da wo mein Blick sich bündelt und mein Ich sich neubesinnt,
am Horizont von Träumen, die sich stets zerschlagen hatten,
im Sand des Lebens, der zu schnell durch Menschenhände rinnt.

So wie ein Fenster öffnet sich mein Herz, schlägt endlich freier,
die Trutzburg um mein Selbst zerfällt zu buntem Blütenstaub.
Er schwebt zu Boden wie ein sanft gewebter Hoffnungsschleier,
zu Sinn vermählt mit Humus aus verwelktem Espenlaub.

Mein Blick verschmilzt mit deinen weich umrissenen Konturen,
die Nase bebt, belebt vom Federschwung in deinem Haar,
ich lese hinter dir aus in den Sand geprägten Spuren,
dass jeder Schritt ganz sorgsam zu mir hingeflüstert war.

Schon hast Du einen Fuß und eine Hand in meinem Leben,
Dein Duft und deine klare Stimme sind schon ganz bei mir,
ich zieh dich an mich, um dich niemals wieder herzugeben,
umarme dich und sag: „Bleib, wenn Du magst für immer hier…“

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Im Sternenschein

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Du bist Geschenk,
behutsam zieh ich an der Schleife.
Wie still sie in den Schatten fällt.
Erregt und seltsam schüchtern streife
ich das Geflecht von deiner Welt.

Fast bin ich bang,
ich könnte deine Haut verletzen,
als ich dich zittrig beben spür.
Ich öffne dich. Da ist kein Hetzen,
wir haben Raum und Zeit dafür.

Du schaust mich an,
ich schiebe meine starken Hände
sanft unter dein Geschenkpapier,
durchstreife streichelnd dein Gelände
und suche deine Herzenstür.

Da ist sie schon,
ich spüre dich zerfließen
so wie ein Rinnsal im Gestein.
Die Zweifel, die dich zaudern ließen
vergehn beim Kuss im Sternenschein.

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Rückwärts durch die Zeit

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Weißt Du noch, als wir uns das erste Mal liebten,
im Herz der Dünen, die das Salz der Meere säumen,
wie wir das Gold der Liebe aus dem Zeitstrom siebten,
um es ins Stundenglas des Glücks hineinzuträumen?

Weißt Du noch, als wir uns das erste Mal küssten?
Du warst die Seufzerbrücke unter meinen Händen.
Ich zog dich langsam aus, in zärtlichem Entrüsten,
so wie Du mich. Ich sollte mich nun auch verpfänden.

Weißt Du noch, als wir uns das erste Mal trafen?
Wir waren Seelenboote auf den Schicksalsmeeren.
Bald lagen wir vertäut im warmen Dünenhafen,
in einem sanften Wind voll Sehnsucht und Begehren.

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