Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Kategorie: Lustig (Seite 1 von 4)

Meine humorvollen Werke

Der Speaker

Es springt ein Speaker auf die Bühne,
wohl mehr ein Zwerg als eher Hüne.
Doch rennt er rum und intoniert,
als sei ein Riese einmarschiert.

Er spricht von Neuro, Mumm, Aktion!
Von heißem Herz, Inspiration!
Er geißelt, hypt, die Wahn-Eloge
aufs Hirn verrät: Der ist auf Droge.

Er zuckt und zetert viele Male
und steigert sich bis zum Finale:
„Ihr müsst euch im Erfolg verbeißen
und für den Job den Arsch aufreißen.

Ihr müsst echt können, nicht nur kennen
und müsst für eure Arbeit brennen,
sollt selbst im grellsten Feuerschein
die hellste aller Fackeln sein!“

Das Plenum schluckt und schaut betreten:
„Wer hat den Clown bloß hergebeten?“
Denn vor ihm sitzt die Creme des Landes,
des deutschen Feuerwehrverbandes.

Der Weihnachtself

Es war einmal ein Weihnachtself,
der kriegte mächtig auf die Zwölf.
Jetzt ist er noch, wie leicht zu sehn,
bestenfalls ein Weihnachtszehn.

Im ICE (511 nach München)

Ich sitze hier im ICE,
noch müde und mein Kreuz tut weh.
Die Landschaft zieht an mir vorbei,
doch ist mir ziemlich einerlei.

Mein viel zu kleines Hasenbrot
von gestern Abend schmeckt schon tot.
Vom Bordbistro der Milchkaffee
kennt Bohnen nur als Grundidee.

Gepaart mit einem Wurstbaguette
wär es zumindest halbwegs nett,
lief nicht die Heizung unter mir
mit halber Kraft, so dass ich frier.

Der Typ am Fenster pennt, welch Pech
an meiner Schulter, schnarcht auch frech
und räkelt sich, mir wird ganz flau,
an mir als wär ich seine Frau.

Zuerst verblüfft, dann wird mir klamm
und schließlich schwillt mir ganz der Kamm.
Der Typ ist, was mich tierisch grämt
beim Kuscheln ziemlich unverschämt,

weshalb ihn ihn mal eben – Schwups!
mit Schmackes in die Ecke schubs,
worauf der Kerl, der lamentiert
den Zugbegleiter herzitiert.

Doch dieser zeigt sich unberührt,
weil er sich unzuständig spürt.
„Die Heizung“, sagt er „guter Mann,
ist kalt, da schmiegt man sich halt an.

Ihr Nachbar ist mitnichten schwul,
er ist das neue Heizmodul
und ist bei uns für kleines Geld
als Minijobber angestellt.“

Ich ächze und ich springe auf:
„Hau endlich ab, da pfeif ich drauf.
Es fehlt nicht viel, was eklig ist,
dass mich der Blödmann auch noch küsst.“

Kaum sag ich das, spür ich, die Wut
tut meinem Kreislauf gar nicht gut.
Ich denke noch:“Das gibt’s doch nicht!“,
gerate aus dem Gleichgewicht

und stürze schneller als der Blitz
auf den Kretin vom Nebensitz.
Der pennt schon wieder und seufzt leis:
„Mein Schatz, wie schön, ich bin so heiß.“,

„Ich brülle noch, ich bin nicht bi!“,
bevor ich aus dem Wagen flieh.
Am allernächsten Halteort
setz ich den Weg per pedes fort

und frag mich ernsthaft: „Hat das Charme,
die Heizung kalt, die Gäste warm,
wenn Du, was sehr wahrscheinlich ist,
kein Typ vom andern Ufer bist?

Das nächste Mal buch ich nen Flug,
denn ich bin’s satt und hab genug
vom Kuschelkurs im Schmusezug.

Frauenversteher

Wer Frauen verstehn will, der braucht eine Fibel,
den Brockaus, den Duden, das Tantra, die Bibel,

wer Frauen verstehn will, mutiert zum Poeten,
verwöhnt ihre Körper mit seinen Sekreten.

Wer Frauen verstehn will, der zückt seine Karten
und während sie shoppt, muss Stunden er warten.

Wer Frauen verstehn will, glaubt auch an Gespenster,
da ist es fast schlauer, er springt aus dem Fenster.

Wer Frauen verstehn will, der sieht schmerzlich ein,
„Das Ganze ist sinnlos – Ich lasse es sein!“

Besinget

Besinget die Frauen,
Sie sind wunderschön,
Dem Glück, sie zu schauen,
Kann nichts widerstehn.

Lobpreiset die Brüste,
Und liebt ihre Haut,
Schürt heiß ihre Lüste
Und nehmt sie zur Braut.

Ihr sollt euch ihr schenken,
Bleibt schön und treibt Sport,
Doch lasst sie nicht denken,
Sonst läuft sie euch fort.

Oben auf den Gipfeln (nach Goethe)

Oben auf den Gipfeln
ein Schuh:
in allen Wipfeln,
suchest Du
drunter den Mann.
Die Vögelein zwitschern im Walde:
„Dort, nah der Halde –
hängt er im Tann.“

Froschkönig modern

Auf deinem Busen saß ein Frosch
und quakte: „Lass die Finger
von dieser schönen Frauenbrust,
das sind jetzt meine Dinger!“

Als ich darauf den Frosch verdrosch,
floh er von deinen Brüsten,
zurück ins Glas und träumte dort
von unerfüllten Lüsten.

Ich griff beherzt nach deinem Fleisch,
Du schlugst mir auf die Pfoten:
„Der Frosch ist ein verwunschner Prinz.“
Die sind dir jetzt verboten!“

Du nahmst den Lurch und küsstest ihn
voll Inbrunst auf die Lippen,
er wuchs, er schwoll, es machte Peng!
Er sprengte seine Rippen.

Da hockte nun dein stolzer Prinz
und reckte seine Glieder.
Er sah dich an und sagte „Quak!“
und hüpfte auf und nieder.

Ob Frosch, ob Prinz, wer weiß das schon,
kein Mann ist ohne Macken,
und willst Du einen echten Kerl,
musst du dir einen backen.

Schnödland

Ich will dürfen, nicht nur müssen,
schmatzen, schlürfen, lüstern küssen,
doch ein jegliches Begehren
will die Welt mir stur verwehren.

Jammertal der Lustvernichtung,
Ödland schnöder Fremdverpflichtung!
Jedes noch so schöne Wollen,
ist verpönt im blöden Sollen.

Schmerzlich macht man mir bewusst:
Mensch, Du darfst nur, was Du musst!

Nur wenn dringlich an der Luft,
mich der Darm geschäftlich ruft,
und im Bauch mein Leibgericht
schmerzhaft in den Seiten sticht:

muss ich, aber darf ich nicht!

Leberlaus

Kosmisch und global betrachtet
ist der Mensch bakteriell,
winzig klein und tief umnachtet,
stirbt er dumm und viel zu schnell.

Aus des Weltalls kühler Ferne,
ist der Mensch ein Riesenzwerg,
dilettiert im Licht der Sterne,
nennt das stolz sein Lebenswerk.

Von der Sonnenoberfläche,
sieht der Mensch so putzig aus,
eine Ausgeburt der Schwäche,
eine Weltall-Leberlaus.

Doch er hält sich für die Krönung
aller Schöpfung, hat nur Spott,
für die Götter – welche Höhnung –
glaubt, er sei schon selbst ein Gott.

Schlägt jedoch die letzte Stunde,
naht das Ende seiner Uhr,
hört man leis aus seinem Munde:
„Ach, welch Würmchen bin ich nur.“

Herr Müller und der Baum

Herr Müller sucht zum Weihnachtsfest
den tollsten Baum der Stadt,
weil Nachbar Schmidt, was ihn sehr stresst,
wohl sonst den größten hat.

Von einem Baum, hoch wie ein Mast,
hat der zuletzt erzählt,
was unsern Müller ohne Rast,
mit Neid und Missgunst quält.

Herr Müller zieht die Handschuh an,
bemützt sein kahles Haupt,
und rast und friert und sucht sodann,
bis er sich fündig glaubt.

Der Baum scheint groß und wohlgestalt
Zwei Meter misst das Stück,
er scheint ihm etwas hoch bezahlt,
doch wähnt er sich im Glück,

Er schultert seinen Weihnachtsfund,
und schleppt ihn heim nach Haus,
er scheuert sich die Finger wund,
doch macht ihm das nichts aus.

Er spürt den Strom, der hochfrequent
durch seinen Rücken rast,
weil ihm der Ischias schmerzvoll brennt
ob der zu großen Last.

Herr Müller robbt im Schneegebraus,
das Antlitz schmerzverzerrt
mit seinem Riesenbaum nach Haus,
den er so heiß begehrt.

Schon festlich ist der Tisch parat
mit Omas Porzellan,
und Müller stolz wie ein Soldat,
hebt seine Tanne an.

Er spürt in sich ein tiefes Glück
und siegerlächelt stolz,
dagegen taugt des Nachbars Stück
wohl nur zum Feuerholz.

Der Baum, er prangt und wird geschmückt,
er freut sich wie ein Kind,
ist ob der Kerzen hochbeglückt,
weil es nur echte sind.

Herr Müller, der den Baum erklimmt,
er gibt sich akkurat,
damit der Strohstern oben stimmt,
den er in Händen hat.

Sein Sohn, mit Schokoweihnachtsmann
kommt in den Raum hinein,
stößt aus Versehn die Leiter an,
wir hören Müller schrein.

Herr Müller brüllt und zappelt wild
greift nach der Zimmerleucht‘,
sein Fuß zerstört den Hirsch im Bild,
als er laut panisch keucht…

Wie immer kommt ein zweites dann
zum ersten Ungemach,
der Dübel der nicht halten kann,
bricht aus dem Putz mit Krach.

Voll auf den Tisch – der Müller stürzt
zudem fällt auch der Baum,
der Braten, raffiniert gewürzt,
er segelt durch den Raum.

Der Baum zerbirst im Flammenstich,
schon schmilzt der Weihnachtsmann,
die Kerzen zünden weihnachtlich
die Tüllgardinen an.

Das Zimmer strahlt im hellen Schein,
die ganze Bude brennt,
worauf der Müller nicht allein
raus auf die Straße rennt.

Am Ende geht die Feuerwehr,
das Haus qualmt imposant,
Herr Müller heult, die Gattin mehr,
der Nachbar kommt gerannt.

„Was für ein Pech zum Krippenfest,
wir laden euch gern ein,
zu unserm Weihnachtsbratenrest
und einem Gläschen Wein.“

Der Müller ist nur leicht verletzt
und folgt ihm in sein Haus,
auch Frau und Kind, noch schwer entsetzt,
sehn mitgenommen aus.

Ach wie Müller da erschrickt,
als er zur Stube geht
und dort des Nachbarn Baum erblickt,
der auf dem Tischlein steht.

Kaum einen Meter misst der Baum,
Herr Müller wird ganz bleich.
Er ringt nach Luft und glaubt es kaum,
sein Kniegelenk wird weich.

Bedenke: wer nach andern schielt,
jagt oft nur schönen Schein,
denn das, worauf er neidisch zielt
kann auch ein Unglück sein.

Kanzlerolympiade

Ich starte meine eigne Olympiade
will bald schon Kanzler aller Deutschen werden.
Der Spruch von falscher Hast und jungen Pferden
ist Ansporn mehr, als hemmende Blockade.

Dank einer populistischen Scharade,
betäube ich die Wähler-Lemmingherden,
im feinen Zwirn mich salbungsvoll Gebärden,
verschafft mir eine ehrliche Fassade.

Dem Unwägbaren in den Plebisziten
zu wehren, will ich Feuerreden halten.
Ich les der Führerkaste die Leviten,

erkläre meinen Bruch mit allen alten,
nur scheinbar ewig zementierten Riten,
lass Milch und Honig unser Land gestalten.

Dann will ich jenseits ausgetretner Pfade,
zum Schutz vor Tod und Hunger und Verderben,
für Frieden auf der ganzen Erde werben,
wohl noch in meiner ersten Amtsdekade,

(denn weniger als Helmut Kohl wär schade)
Mahatma Gandhi und sein Werk beerben,
wenn alles glückt, von Mörderhänden sterben
am Ende meiner Köpenickiade.

Zum Dank für pazifistische Meriten,
spür ich den Tod mich bitterkalt durchwalten.
Beim nächsten Mal lass ich mir das nicht bieten,

will meine Seele mal ganz anders spalten,
und schieß als Sheriff auf Wildwestbanditen
in dieser besten aller Heilanstalten.

Aus der Traum

Im Palmenhain schau ich den Reigen
der Kolibris und nasche Feigen,
ein kühler Bach gluckst froh darin.

Ein schönes Mädchen hör ich lachen.
Am Grenzstein zwischen Schlaf und Wachen
ist sie der Traumwelt Hüterin.

Schon spür ich sie, mich warm beschatten.
Sie will mir einen Kuss gestatten,
und mehr, die nackte Reiterin.

Und wie von Fern hör ich sie hämen,
„Sie Faulpelz, sollten sich was schämen!“
schimpft meine Gruppenleiterin.

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