Terrabella

Gedichte gegen das Alltagsgrau...

Schlagwort: Existenz

Schmetterlinge

SchmetterlingeSie tanzen einen zauberhaften Reigen,
Ihr Flug, die schönste Opera comique,
verulkt beschwipst die Regeln der Physik,
als wollten sie dem Menschen lustig zeigen:

Hör auf, dich frech in Hybris zu versteigen.
Die Welt ist fern der Hoch-Mathematik
auch Traum und Liebe, Künste und Musik.
Lass deinen Allmachtsanspruch endlich schweigen.

Die Wissenschaft ist nicht der Weg zum Glück.
Aus kaltem Tun führt oft kein Weg zurück.
Kehr um! Du solltest endlich dich besinnen:

Nicht Herr! Du bist ein Gaukler der Natur.
Du bist statt Gott, wie wir ein Troubadour!
Komm tanz mit uns. Nur so kannst Du gewinnen!

Dein Stern

Manchmal ist dein Stern im Sinken,
manchmal steigt er himmelwärts,
manchmal zeigt er nur ein Blinken,
manchmal leitet er ein Herz.

Manchmal frisst den Stern die Schwärze,
manchmal bricht er ihre Macht,
manchmal ist er nur die Kerze,
manchmal Leuchtturm in der Nacht.

Irgendwann geht er zugrunde,
irgendwann stürzt er ins Nichts,
doch in seiner letzten Stunde
flammt er auf zum Licht des Lichts.

Was?

Was wäre ich wohl ohne dich?
Ein Nichts in fader Hülle,
ein sinnentleertes Über-Ich
und Dasein ohne Fülle.

Und fragst Du, was bist Du für mich?
Mein Herz der Transzendenzen,
mein feenhaftes Eigentlich
im Meer der Existenzen.

Was wir je für den anderen sind?
Der Atem in der Kehle,
das Licht im Lebenslabyrinth,
ein Spiegelbild der Seele.

Ringen

Spür hinter den Dingen im Äther ein Schwingen,
in all deinen Stunden bist Du ihm verbunden.
Kaum hörst Du sein Singen hast Du fast gefunden,
die Welt scheint verschwunden, und in diesem Klingen
liegt all dein Entspringen. 

Doch hast Du beim Ringen, im Kampf mit den Sphingen,
trotz Rissen und Schrunden und blutenden Wunden,
verliebt ins Gelingen, dich tapfer geschunden,
dann kannst Du gesunden – auf ewigen Schwingen
dich gänzlich entdingen.

Gespensterjagd

Man ist zu oft Chamäleon,
zu selten Don Quichote,
rennt viel zu oft zu schnell davon,
lebt meistens zu bigott,

lacht falsch mit einem Zweitgesicht,
die Maske dominiert,
vergeht als fahles Dämmerlicht,
statt grell illuminiert.

Da ist ein Faust in uns, der sucht
und nach Gespenstern jagt,
ein Dorian Gray, der uns verflucht,
wenn man ihm nicht entsagt.

Zerbrich das Trugbild dieses Seins,
das dich zum Nichts chiffriert,
dein Leben ist nur wirlich deins,
lebst Du es undressiert.

Crossroads (engl.)

When life will lead me to a place,
where many roads collide,
where crossroads form a frightning maze,
I must not still abide.

Some roads seem easy, others tough
which one is the right?
Which path is risky, which is rough,
how can I decide?

Shall I trust the easy way,
which may cost my strength.
Will there be a price to pay,
for its shorter length?

Shall I dare the harder way,
which will keep me strong.
May I risk another day,
cause it is so long?

As I stand here in my fears,
hoping for a light,
a helpful sound within my ears,
to guide me through the night,

I take a look across the land,
as clearness strikes my mind.
I have to go and must not stand
if I want to find…

Tractatus Logico Philosophicus

Was ist, das ist, das kann man letzlich auch beschreiben
da ist kein Sein des Seins im Schein hinter dem Sein,
was nicht zu denken ist, soll unaussprechbar bleiben
die Welt sei klar und wahr, sagt Ludwig Wittgenstein

Das Nichts als Ding gehört ins Zauberreich der Fabel
ein Paradox, abstrus, zudem im höchsten Grad naiv,
noch nicht mal eine allseits gültige Vokabel
das Nichts ist nichts – und außerdem kein Substantiv.

Was man nicht sagen kann, darüber muss man schweigen,
auch wenn manch kluger Denker hart argumentiert,
wenn Worte wortreich, scheinschlau auf Chimären zeigen,
hat man sich metaphysisch klar verspekuliert.

Hat man den Gipfel alles Denkbaren erklommen,
wirft man die Leiter, die man hergenommen hat,
um hoch zum Maximum des Sagbaren zu kommen
bald fort, im logisch philosophischen Traktat.

Das Ich

Das Ich als archimedisch kleinen Punkt begreifen,
aus dem sich spinnwebartig Herz und Seele speisen,
ist wie im Traum zu fernen Transzendenzen schweifen,
die dann im Akt gebündelt wieder heimwärts weisen,

und kaum gefasst, schon wieder tief ins Nichts entgleiten,
als könne man die Haut der Wahrheit sanft nur streifen,
auf schmalen Grat von Ahnung und Erkenntnis reiten
in immer wieder gleich geformten Endlosschleifen.

Doch will es sich, wie ein Gespenst, nicht greifen lassen,
sich stets dem starken Willen der Vernunft entziehen,
so spürst Du, es ist Punkt und auch zugleich Umfassen,
das Seelen nährt, umarmt, um wieder sie zu fliehen,

als wohnten Herz und Geist in fruchtbaren Gefilden
die nur aus ihm, und in ihm das Bewusstsein bilden.

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